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Ich liebe Israel

Gerhard Frey

Ich bin 1941 in Hamburg geboren und auch aufgewachsen. Nach dem Abitur lernte ich Groß und Außenhandelskaufmann. 1963 heiratete ich meine Frau Gisela. Meine berufliche Karriere brachte mich sehr weit. Auch fremde Länder durfte ich besuchen, machte sogar Geschäfte mit einer Compoundingfirma in Israel, was auch zu Besuchen dort führte. Aber es waren eben nur geschäftliche Beziehungen und einen Bezug zu Israel hatte ich überhaupt nicht

Erst vor 20 Jahren fanden meine Frau und ich, auch unsere drei Töchter, zum wahren Glauben an Jesus Christus. Wir durften die Gnade und Vergebung des Heilands erfahren. Mein

Gebet war dann: Herr gebrauche mich. Und Er konnte mich gebrauchen. Fünf Jahre später wurde ich Heimleiter im Christlichen Erholungsheim Westerwald in Rehe.

Mein Blick war zunächst auf den Dienst gerichtet. Durch intensives Bibelstudium erkannte ich,  dass mein Heiland und Erlöser ein Jude war und viele Verheißungen im Alten Testament durch Sein Erscheinen in Erfüllung gegangen sind. Da ich den Herrn liebte, wuchs auch meine Liebe zu diesem Seinem Volk und ich wünschte es immer näher kennen zu lernen. Im Erholungsheim lernte ich Ernst Schrupp kennen, der einige Bücher über die Konfliktsituation in Israel geschrieben hatte. Er animierte uns eine Israel-Konferenz im Erholungsheim durchzuführen.

Im Jahr 1993 besuchten meine Frau und ich, zusammen mit einem uns bekannten Pastor zum ersten Mal gemeinsam Israel, um die Spuren Gottes und des Messias im Land zu erahnen Aber schon 1995 machte wir zusammen mit Ernst Schrupp eine Reise nach Israel, wo er uns seine Kontakte, die er schon lange hatte, vermitteln wollte. Es war sein Anliegen, wenn ich nicht mehr bin, - er war zu der damaligen Zeit bereits fast 80 Jahre alt, dann musst du Gerhard, die Last, die ich für Israel habe, weiter tragen. Daraus entstanden regelmäßige Studien- und Begegnungsreisen. Gott schenkte uns wunderbare Freundschaften zu messianischen Juden aber auch zu arabischen Christen.

 

Die Israel-Konferenzen im Christlichen Erholungsheim führten wir jedes Jahr durch. in den letzten Jahren hatten wir die große Freude, dass das Musikteam der Gemeinde Beit Hesed aus Düsseldorf uns mit ihren Liedern erfreute.  Daraus entstand bald ebenfalls eine gesegnete Freundschaft, und es ist mir immer wieder etwas Besonderes, wenn ich dort zum Predigtdienst eingeladen werde und Gemeinschaft mit den Geschwistern haben darf.

Inzwischen bin ich im Ruhestand. Aber der Herr hat mich weiter beauftragt durch Vorträge und Predigten sowie Gruppenreisen nach Israel auf Sein Volk hinzuweisen.

Wir dürfen von hier aus Israel segnen. Aber nicht nur Israel, sondern alle Juden, die auch hier in Deutschland sich wieder sammeln und die den Weg zum Messias gefunden haben.

 

Ich bin darauf gestoßen, dass die Juden mit der Erwählung, die Gott ihnen geschenkt hat, auch Probleme haben werden. Es gibt viele, die sagen: warum wir? Konnte Gott nicht ein anderes Volk auswählen? Nicht dass ihr immer denkt, sie würden sich ganz toll fühlen: wir sind die größten, weil Gott uns erwählt hat. Nein, die Erfahrungen von 2000 Jahre Geschichte sind nicht so. Und die Juden, weil sie die Erwählten sind, sind angegriffen worden. Wir müssen das uns einmal klar machen. Und vielleicht bringt das in uns einen weiteren Denkprozess in Gang: Juden werden angegriffen, weil sie Gottes Erwählte sind. Man greift sie an und indem man sie angreift, greift man Gott an. Wollt ihr das zulassen, dass Gott angegriffen wird? Wir sind alle aufgerufen, unseren Vater im Himmel, diesen großen Gott im Himmel und seinen Sohn Jesus Christus zu verteidigen. Oder sind wir schon so müde geworden, dass wir alles zulassen?

 

Da liegt der Dreh- und Angelpunkt, den wir kennen müssen, da liegen auch die Wurzeln unseres Glaubens gegründet, da sind wir und werden wir wieder eins, wenn wir das nachher zusammenfügen. Meine Erfahrungen aus vielen Gesprächen, bei vielen Israelreisen, in vielen Begegnungen: die Juden haben den ganz sehnsüchtigen Wunsch auch heute – „wir möchten in diesem Land, da, wo wir sind, in Frieden leben“. Eine Friedenssehnsucht, die unvorstellbar ist. Ich habe jetzt auch ganz besonders Kontakte mit atheistischen Juden gehabt, nicht religiösen, weder orthodox noch ultraorthodox, noch liberal, noch messianisch, gar nicht. Ein Stück Distanz zur Tora, ein Stück Distanz zu Gott. Dass sie ganz torahlos sind, gibt es eigentlich nicht, aber ein Stück Distanz. Und da überall habe ich die unendliche Friedenssehnsucht erfahren dürfen. Nicht den Frieden, der kommen wird, den Gott schenken wird, sondern den rein weltlichen Frieden, den es nicht geben wird.

 

Wenn wir die Tora lesen, wissen wir das, dass es diesen Frieden nicht geben wird, aber den wünschen sie. Wir können uns das nicht vorstellen, weil wir hier mehr als 60 Jahre im Frieden leben. Wir haben von der ganzen Wirrnis der Welt nichts mitgekriegt, wir leben hier auf einem geschützten Inselchen, machen uns allenfalls selber Probleme. Es gab eine Zeit, die liegt ein Stück zurück, die war vor dem Holocaust, die war vor den Schrecknissen des 2. Weltkrieges, die war auch vor den Schrecknissen des 1. Weltkrieges, also vorletztes Jahrhundert. Aber es war eine Zeit, in der die Juden 1800 Jahre Verfolgung, Ablehnung hinter sich hatten, in der sie in der ganzen Welt herumgestoßen wurden, auch bei uns vor Hitler ist es ihnen nicht entscheidend besser gegangen. Sie sind hier genauso nicht angenommen worden.

 

Und da war der große Wunsch: lasst uns doch ein Land haben! Alle anderen Völker haben ein Land, lasst uns doch in diesem Land leben dürfen, wie alle anderen, und wenn wir da leben dürfen, dann müssen wir eigentlich ja auch Frieden haben. Das war ihr großer Wunsch. Diesen Wunsch kann man überschreiben mit einem Begriff, den ich ihnen ein wenig definieren wollte. Zionismus. Zionismus war kein religiöser Gedanke – das ist also ganz wichtig zu wissen. Das war rein menschlicher Gedanke, dass sie zurückwollten zu einer jüdischen Nationalität, zu einer jüdischen Identität, dass sie einen jüdischen Staat wünschten, aber aus dieser Sicht: wir möchten so Ruhe haben, wie alle anderen Völker in der Welt, wir möchten nicht immer die Getriebenen sein, die Verfolgten sein – der Wunsch, der damals war, der Wunsch nach Loslösung von der westlichen Kultur, in der sie lebten. Der Zionismus ist von Theodor Herzl angefangen worden, der erste Zionistenkongress war in Basel. Das ist also eine Entwicklung, eine Bewegung, die aus Westeuropa gekommen ist. Das war ein ganz großer Wunsch, in diesem so genannten Assimilationsdruck wieder sich selbst sein zu können, jüdisches Leben in ihren Traditionen leben zu dürfen. Da waren sicher noch ein Paar Gedanken, dass das orthodoxe Judentum wieder gestärkt werden sollte, denn das war ja Identität. Aber ich würde das nicht unbedingt mit Religion im Sinne, wie wir das heute verstehen, vergleichen, sondern das war mehr die Identität und ein Jude, der bei uns normal auftrat und normal lebte und seine Kipa zeigte, dem wurde erst noch der Finger gezeigt.

 

Ist es heute viel besser? Das ist das, was mich so traurig macht, wenn ich mein Land anschaue, das hat sich im Grunde nicht geändert. Wir sind in der westlichen Demokratie, da habt ihr gewisse Rechte, indem man euch auch schützt, aber dass wir heute an den Synagogen Polizeifahrzeuge aufstellen müssen, um zu schützen, das trifft mich unendlich, dass das sein muss, dass diese ganze Geschichte nicht zu Ende ist.

 

Juden wollten damals nach Hause. Wo ist ihr zu Hause? Sie hatten genug von Antijudaismus, später Antisemitismus. So kam es zu dieser Zionismusbewegung. Wohin? Das hat sich dann im 1. Weltkrieg entwickelt. Aber ich möchte jetzt ganz bewusst einen Blick darauf werfen, um deutlich zu machen, wie die Situation damals war. Ich habe das Jahr 1887 herausgesucht. Was war da in Israel?

 

Das Ende des Osmanischen Reiches. 500 Jahre türkischer Herrschaft neigten sich dem Ende zu. Und wie sah dieses Land aus? Es nannte sich damals nicht Israel. Ausgequetscht, ausgeblutet, ein Land, wo man nicht mehr leben konnte. Keine Bäume, aber Sümpfe und Wüste – überhaupt nicht zu vergleichen mit dem, was heute mit dem Land Israel wieder entstanden ist. Und wer lebte damals da? ¾ der dort lebenden Bevölkerung waren Juden. Auch interessant. 28.000 Juden lebten in dem ganzen Gebiet Israels. Das müssen wir uns aber vorstellen, dass das, was heute Israel ist, was heute Jordanien ist, gehört dazu und das, was West Bank oder Besetztes Gebiet genannt wird, all das zusammen. Da lebten 28.000 Juden und 16.000 Araber. Das war die damalige Situation. Von den Arabern war etwa die Hälfte Moslems und die Hälfte Christen. Also ist es mal interessant, sich diesen Ausgangspunkt klar zu machen: ein Land, wo fast kein Mensch mehr lebte, ein Land, das kaputt und tot war, das von den Türken ausgeblutet, ausgebeutet war und in dem trotz allem – und das ist die Geschichte bis dahin gewesen – immer überwiegend Juden gelebt haben. Das wird heute verdrängt.

 

Wenn wir von Besetzten Gebieten reden: was ist denn da eigentlich besetzt worden? Von wem? Da gab es den 1. Weltkrieg und im 1. Weltkrieg hat ein gewisser Weizman das Schießpulver erfunden. Das war ein Jude. Und das hat die Wende gebracht. So reich ist Gott. So sehr bringt er einzelne Punkte zum Ziel. Dieses Schießpulver hat er den Alliierten gegeben, nicht den Deutschen, und das war die Kriegswende. Der 1. Weltkrieg war eine Pattsituation, man stand sich in Schützengräben gegenüber, da geht nichts vorwärts, geht nichts rückwärts, es kostet nur unendlich viele Menschenleben; man hat viele Jahre lang in Schützengräben gegeneinander gekämpft. Und dann kam die Übermacht - die Alliierten, weil sie das Schießpulver durch Weizman bekommen hatten, und damit endete der 1. Weltkrieg und die Achsenmächte mussten kapitulieren.

 

Und da gab es dann als Dankeschön die Balfour-Erklärung. Was sagt sie? Sie sagte den Juden: dieses Land Palästina, wie es die Engländer dann nannten, da kam der Name Palästina erst her, als Entschädigung, als Land, zu dem sie hinziehen können. Ich habe eben gesagt, wie viel Menschen da lebten. Also ein (fast) menschenleeres Land. 8.000 Moslems, 8.000 Christen. Wenn wir jetzt mal geschichtlich rückwärts gehen, „Das war immer unser Land“ – wessen Land war es denn immer? Es hat nie ein Staat dort existiert, ein eigenständiger, außer dem jüdischen Staat, aber das war schon viel, viel länger her. Das war eine abgelegene, unbedeutende Provinz irgendwelcher Macht. Diese Balfour-Erklärung sagte ihnen das ganze Land zu und die Erklärung wurde am 2. November 1917 erlassen, das heißt vor 90 Jahren. Das britische Parlament – damals war England noch eine Weltmacht und das, was sie beschlossen, bedeutete etwas – beschloss am 20. April 1920 die Bestätigung dieser Balfour-Erklärung. Die Engländer hatten von dem Völkerbund das Mandat. Sie waren Besatzungsmacht in dem ganzen Bereich, die Franzosen nördlich davon, sie waren Besatzungsmacht über den Libanon und Syrien und die Engländer über Israel und Jordanien. 1922 bändelten sie mit dem Vater des Königs Hussein an. Was war er? Irgendeiner von denen, die in der Wüste lebten, Haschemit, Beduine, und ihm wurde, weil er Kontakte zu der Besatzungsmacht hatte, das Land Jordanien, das man zunächst Transjordanien nannte, gegeben; daraus wurde das Königreich Jordanien. Es hat es nie vorher in der ganzen Weltgeschichte gegeben, das muss man auch klar sagen. Einfach als Wissensstand. Und das waren 73% des gesamten Landes, bleiben noch 27% übrig. 73% von Palästina kriegten die Jordanier, die Haschemiten, und da leben eine ganze Menge Araber, heute auch. Die meisten Palästinenser, wie wir sie nennen, leben heute in Jordanien und haben ihren Staat. 80% der jordanischen Bevölkerung sind Palästinenser und 20% gehören zu den Haschemiten und zu dem regierenden König Habdula. Es blieben 27% übrig.

Und dann kam der 2. Weltkrieg, der zur Vernichtung von 6 Millionen Juden führte. Aber wenigstens einige hatten überlebt. Die Sehnsucht dorthin zu gehen, wo sie selbst die Dinge gestalten konnten, war noch viel größer geworden. Sie machten sich auf nach Israel. Doch die Engländer erwischten sie auf dem Wasser und sperrten sie auf 

Zypern ein. Den Konzentrationslagern der Deutschen folgten die Konzentrationslager der Engländer. Das ist die Geschichte des jüdischen Volkes.

 

Dann gab es nach langem Ringen am 5. November 1947 einen UN-

Beschluss, die einzige UNO-Resolution zugunsten Israels. Seither gab es Tausende und Abertausende Resolutionen, von denen sich 50% mit Israel beschäftigen. Also dreht sich die Arbeit der Welt-Friedenorganisation zur Hälfte um ein Land, das so groß ist wie Hessen und halb aus Wüste besteht. Ausnahmslos alle Resolutionen seit 1947 richten sich gegen Israel. Was für eine Antistimmung! Was muss dieses kleine Land alles Böses getan haben! Aber diese eine positive Resolution gab es, und sie gestand den Juden eine Heimstadt zu. Sie haben „ja“ dazu gesagt. Zu dem kleinen Flickenteppich, den man ihnen noch als Rest gelassen hat. Und sie haben wirklich 1948 unter Ben Gurions Führung einen jüdischen Staat ausgerufen und Israel genannt.

 

Und dann wurden sie überfallen. Sie mussten sich mit Waffen aus der Zeit Napoleons verteidigen und hatten doch in diesem Krieg Erfolge. Das war die Gründung des Staates Israel, das war der Neuanfang, das war die Rückkehr des Volkes in sein von Gott versprochenes Land. Ich bin darauf bewusst noch mal eingegangen, weil ich das Gefühl habe, dass diese Fakten heute oft vergessen werden. Wir verdrängen sie. Wir sehen heute ein modernes Israel und betrachten es als einen ganz normalen Staat. Nach Medienberichten bilden wir unsere Meinung - häufig eine kritische.

 

Dieses kleine Land, das mit 28 000 Juden anfing und 85 000 Juden um 1900 hatte, hat heute mehr als 7 Millionen Einwohner. Das ist eine gewaltige Steigerung, aber es sind keine 6 Millionen Juden, die dort leben, der Rest der Bevölkerung sind Araber. Die Hälfte des Landes besteht aus der Wüste Negev, der Wüste Juda, der Wüste Gaza. Die Israelis haben das Land aber besiedelt. Heute kann man in Israel wieder Bäume wachsen sehen. Das ist das Ergebnis der fleißigen Hände, die dieses Land aus dem Nichts herausholten.

 

Dieses Land ist aus der Verfolgung entstanden, die seit 70 n. Ch. andauert, als die Römer die Juden zerstreuten. Und wir waren an dieser Bedrückung beteiligt. Als Christen. Die ganzen 2000 Jahre. Im Namen Jesu Christi sind Juden erschlagen worden und gab es die Kreuzzüge zur Befreiung des Heiligen Landes. Wundert ihr euch etwa, dass Juden die Christen heute als Feinde sehen? Glaubt ihr, dass diese Geschichte vergessen ist? Dass die Juden das so schnell abschütteln wie wir? Ein großer Irrtum. Die ganze Geschichte ist lebendig in Israel. Wenn du als Christ mit jüdischen Menschen ins Kontakt kommst, fragen sie dich als erstes: Und was ist mit dem Papst? Was ist mit den Kreuzzügen? Und man merkt schnell, dass da Abneigung herrscht. Und wenn du weiter kommst, dann wird die Frage über den Holocaust gestellt. Das ist immer ein Thema. Es war die Schuld meiner Väter, und ich stehe dazu.

 

Jetzt ist Israel fast 60 Jahre alt. Entstanden mit der Billigung der UNO. Doch gleich nach der Gründung wurde der Staat überfallen. Die Intifada begann erst später, die besagt, dass die Juden vernichtet werden müssen. Es muss die Entscheidung fallen, wer größer ist: Allah oder Jahwe. Ein klares Ziel des Islam ist: Wenn die Juden im Meer ertrunken sind, ist Allah größer als Jahwe. Dann können wir an die Christen rangehen und werden die alleinige Herrschaft des Islam haben.

 

Ich sage nicht, das sei das Ziel aller Moslems. Ist es das Ziel aller Christen, Jesus zu folgen? Leider nicht, denn die Mehrheit besteht aus Namens-Christen, von denen viele gar nicht wissen, was Christentum heißt. Israelischer Strom für Araber Was hat diese Intifada angerichtet? Ein Land, das große Probleme hat. Ein Land, das durchatmete, weil der Zaun half und der Terrorismus nicht mehr so stark zuschlagen konnte. Es gab ein Durchatmen in der Hoffnung, dass man die Dinge neu gestalten kann. Der Schaden für die Araber ist aber viel größer. Das muss man auch wissen. Das, was ihre Führer angezettelt haben, ist für sie selbst in katastrophaler Weise zum Bumerang geworden. Viele haben ihre Arbeitsstellen in Israel verloren. Sie haben ihre Familien nicht mehr ernähren können. Mit den vielen Geldern, die sie aus dem Westen und von vielen Staaten der Welt bekommen haben, haben sie nichts Sinnvolles angefangen. Bis heute ist kein einziges Kraftwerk in den arabischen Gebieten gebaut worden. Strom bekommen die Araber aus Israel, aber sie bezahlen nicht. Wie würde die Weltgemeinschaft wohl schreien, wenn Israel den Strom abdrehen würde? Auch ihr Wasser kriegen sie aus Israel und bezahlen es nicht. Stellen wir uns vor, Israel würde das Wasser abdrehen. Also etwas Geld nehmen, um eigene Strukturen aufzubauen – überhaupt nicht daran zu denken.

 

Das Geld für die Palästinenser ist versickert in Korruption und in Waffen, damit man Juden vernichten kann. Dafür haben sie das Geld benutzt. Aber es ist so schlimm für die Menschen geworden, dass die Arbeitslosenrate auf 80% hochschnellte und für eine Perspektivlosigkeit sorgte, die ins Chaos führte. Das hat dann nach dem Tod Arafats und der Wahl von Machmud Abbas den Hutna gebracht. Der Hutna ist im islamischen Sinne ein Friede, der geschlossen wird, wenn der Islam zu schwach ist, den Feind zu vernichten. Das heißt, sie erkennen: Im Augenblick sind wir so schlecht dran, dass wir selbst zugrunde gehen, wenn wir mit der Intifada weitermachen. Also Schluss mit Intifada. Aber nur so lange, bis wir wieder stark genug sind, um unser Ziel zu verfolgen, Juden zu vernichten.

 

Ich will diese  Situationsbeschreibung noch mit einigen Begegnungen vertiefen. Wir waren in Samaria in einer Siedlung. Dort haben wir zwei Tage übernachtet. Es war natürlich eine illegale Siedlung. Die sind ja noch Kriegsverbrechen, diese Siedlungen. So steht es in der Zeitung. Böse Besatzer. Wir waren in einem Ort, der vor 20 Jahren gegründet wurde. Juden waren in die Wüste gezogen, wo es nur Steine gab, auf ein Stück Land, das niemandem gehörte. Das war die illegale Besetzung. Einige jüdische Siedler haben gesagt: „Samaria ist uns von Gott zugesagt worden, das ist für uns heiliges Land und wir siedeln hier.“ Sie haben keinem Araber etwas weggenommen, sie sind nicht mit Waffengewalt und Panzern gekommen und haben keine Leute verjagt. Sie haben nur Land bebaut, das keiner haben wollte. Diese Stadt Ariel hat heute 25 000 Einwohner und eine eigene Universität mit 9000 Studenten. Eine Stadt in der Wüste. Auch Industrie ist dort, mitten in Samaria, angesiedelt worden. Sie zu schützen, ist nicht einfach. Aber der Zaun, der um die Gebiete geführt wird, schließt Samaria mit ein. Man hat also Ariel mit in den Sicherheitszaun hineingenommen. Es gibt Schulen und Kindergärten – eine ganz normale Stadt.

 

Wir waren in einem kleinen Militärlager, wo Reservisten ihre Übungen machten. Sie hatten aus Sicherheitsgründen diesen Standort zwischen Ariel und einer größeren arabischen Stadt. Wir haben von da einmal die Perspektive sehen können und erklärt bekommen, wie heute gesichert wird. Dort haben wir mit einem der Gründer gesprochen. Towia heißt er. Er arbeitet im Hotel mit, das seine Schwester mit ihrem Mann betreibt. Der Grund, warum er da ist: „Unsere Wurzeln sind hier. Wir sind Juden. Wo sollen wir bitte hingehen? Warum darf ich nicht hier in Samaria sein, wo ich niemandem etwas weggenommen habe? Ich möchte Frieden! Ich möchte auch Frieden mit meinen arabischen Nachbarn.“ Und sie haben mit den Arabern gut zusammengelebt bis die Intifada kam. Towia sprach von einem dritten wichtigen Punkt: „Wir müssen etwas an der Ausbildung tun. Darum ist hier eine Universität. Darum sind hier so viele Schulen. Das muss auf arabischer Seite auch passieren.“

 

In arabischen Schulbüchern, in den Atlanten, in Karten existiert der Staat Israel nicht. Das ganze Land ist arabisch. Die arabischen Kinder werden von klein an mit falschen Informationen zum Hass erzogen. Wenn sie noch religiös verführt werden, ist es kein Wunder, dass sie als 14-Jährige zum Terror-Attentäter werden. Seit Jahrzehnten ist ihnen von Kindesbeinen an Hass eingeimpft worden. Doch es gibt aber auch junge Menschen, die Durchblick gewinnen und aus diesem Hass herauskommen. Gott kann diese Wunder tun, und daran müssen wir arbeiten. Ausbildung ist ein entscheidender Punkt. Nicht mehr zum Hass erziehen, sondern miteinander zur Wahrheit finden. Soll man so eine Siedlung als militärisches Kriegsverbrechen abschaffen? Ich weiß nicht, was die Leute denken, die das so in den Zeitungen nachplappern.

 

Mein zweites Bild. Ich habe mit Israel zusammengearbeitet, bevor ich nach Rehe kam. Vor 16 Jahren habe ich einen technischen Kunststoffbetrieb als Geschäftsführer geleitet und mit einer in Israel entstandenen Firma zusammengearbeitet. Es war sehr interessant. Ich war da schon zum Glauben gekommen und mir war es wichtig, Israel zu stärken. Das war zu der Zeit nicht ganz einfach. Schwarze Listen und Leute, die Zusammenarbeit suchten, die waren nicht so gewünscht in der Welt. Heute ist es ein bisschen einfacher geworden. Ich war letztes Jahr in Israel und sagte zu meiner Frau: „Ich will noch einmal zu dieser Firma hin.“ Ich hatte alle meine Unterlagen vernichtet und war also aufs Gedächtnis angewiesen. Ich wusste nicht mehr, wie die Firma heißt, und wo sie liegt, hatte auch keine Telefonnummer. Aber das Internet half. Ich bin zu meinem Freund gegangen und habe ihm das Moschaf beschrieben, wo meine Firma war. Er hat es gefunden: „Es gibt nur ein Moschaf, das auf diese Beschreibung passt. Es heißt Am On. Sagt dir das was?“ Ich sagte: „Nein, kann ich mich nicht erinnern.“ Er sagte: „Jetzt guck ich mal, ob ich da einen Kunststoffbetrieb finde.“ Er kommt strahlend wieder und sagt: “Sie sind kein kleiner Betrieb, sie sind schon

eine Aktiengesellschaft, sie sind an die Börse gegangen und heißen Poliram“. Ich sage: „Das war es! Genau!“ Es klingelt im Kopf: „Poliram“. Das war die Firma. Schließlich habe ich noch den Namen des Managers rausgekriegt, Humi hieß er. Dort sind wir hingefahren.

 

Wir kamen in dieses Moschaf und haben Humi gefunden. Er arbeitete nicht mehr in der Firma. Er hat mir erzählt, dass er 14 Tage vorher in der „Poliram“ war und gefragt hatte: „Hat jemand von Euch mal wieder irgendetwas von Gerhard Frey gehört?“ 16 Jahre, nachdem unsere Verbindung von einem Tag auf den anderen abgerissen war, weil Gott mich aus dieser Arbeit rausgenommen und nach Rehe gestellt hat! 16 Jahre danach. Und das muss der Zeitpunkt gewesen sein, wo es bei mir im Herzen klingelte: „Ich muss dahin.“ Wer hat wohl diese Dinge zusammengebunden? Und dann haben wir uns ganz offen ausgetauscht. Wir durften Fragen stellen, und er hat berichtet. Es war überwältigend, was da herauskam. Wir haben zunächst gefragt: „Warum habt ihr diese Fabrik hier gebaut?“ – „Weil wir hier zu Hause sind.“ Eine technische Kunststoffabrik, die 98% ihrer Produkte exportiert, die 98% der Rohstoffe, die sie verarbeitet, importiert, die baut man irgendwo ans Ende der Welt mit riesigen Wegen zum Flughafen und zum Hafen? Die Antwort war: „Weil wir hier zu Hause sind. Darum haben wir sie hier gebaut.“ Nicht an einem strategischen Ort.

 

Die zweite Frage: warum? Man muss wissen, was ein Moschaf ist. Moschaf waren nach dem Krieg von 1948 strategische Siedlungen an schwierigen Punkten, um das Land in den Griff zu bekommen. Die Siedler wurden teils als Gruppe vom Militär dorthin beordert, wenn sie damit einverstanden waren, und fanden sich teils als Freunde aus einer Militäreinheit dort zusammen, nachdem sie sich nach Kriegsende hungernd mehr schlecht als recht durchgeschlagen hatten. Humi war einer der Mitgründer des Moschaf. Er erzählte: „Wir waren alle Kumpel, haben alle Militärdienst gemacht. Wir hatten gemeinsame Erfahrungen aus dem 48-er Krieg, und da haben wir gesiedelt, ganz freiwillig.“ Das ist der Unterschied zu der Kolchose. Alle haben alles gemeinsam, nur die Freiwilligkeit ist der ganz große Unterschied. Die Siedler begriffen irgendwann, dass ihre Kinder keine Arbeit mehr finden würden und sie deshalb für Arbeit sorgen müssten. So sind sie zu dem Kunststoffbetrieb gekommen. Damals waren sie 30 Mitarbeiter, 16 Jahre später 120 Mitarbeiter.

 

Das Moschaf ist gewachsen, hat heute 200 Familien, ist also ein relativ großer Ort. Und der liegt an der Grenze, am Sicherheitszaun. Sie haben den Zaun gebaut, nachdem sie von 1967 bis 2000 mit ihren Nachbarn in Frieden gelebt hatten, auch mit denen in Genin, auch mit denen, die am Flüchtlingslager leben. Dann kam die Intifada und die Araber. Sie haben ihnen die Truthahnfirma und die Felder leer geräumt. Damit nicht genug. Eines Nachts kamen 16-Jährige mit Maschinengewehren in das Dorf und schossen in die Häuser. Ein Familienvater, der aus dem Fenster nach dem Rechten sehen wollte, bezahlte dafür mit seinem Leben. Die Siedler sagten sich, so geht es nicht weiter. Sie bauten selbst einen Zaun, um die arabischen Übergriffe ein bisschen kontrollieren zu können. Doch der Staat sagte, ihr dürft kein Zaun bauen, das ist unsere Sache.

 

Zaun hält Räuber ab. Da steht nun dieser elektrische Zaun, wir haben direkt daran gestanden. Eine breite Schneise von 60 Metern quer durch das Land, ein Zaun, durch den man durchgucken kann, elektronisch-elektrisch gesichert. Auf einer Straße können Jeeps sich schnell bewegen, wenn der Zaun an einer Stelle beschädigt ist. Kameras mit einer Sicht von fünf Kilometern sorgen für zusätzliche Sicherheit. Die ganze Anlage sieht gar nicht so bedrückend aus, und man erkennt, dass sie ihren Zweck erfüllt. Humi berichtet: „Der Zaun steht hier ein Jahr, kein Hühnchen ist mehr geraubt, kein Mensch ist mehr erschossen worden, aber wir haben kein Kontakt mehr zu unseren Freunden. Die Verbindung ist zu 100% abgeschnitten und das tut uns leid. Probleme haben jetzt die Araber. Für sie ist es wirtschaftlich etwas schwierig geworden durch den Zaun. Denn sie haben von Autodiebstahl gelebt. Der ist hier in Nordisrael zusammengebrochen, weil man die Wagen nicht über den Zaun transportieren kann.“ In Jerusalem floriert der Autodiebstahl noch, da ist der Zaun noch nicht fertig. Aber dort, wo er fertig ist, ist Ordnung eingekehrt.

 

Ich fragte Humi: „Was machst du denn jetzt als Rentner?“ Früher hat er als Marketingmann in der Fabrik gearbeitet, davor war er der Blumenmann Israels, er hat die Blumen von Tel Aviv nach Amsterdam geflogen. Er kannte die ganze Blumenproduktion in Israel. Und jetzt? „Ich bin Berater.“ Jude berät Araber. Er berät die Araber in der Landwirtschaft, damit sie marktfähig produzieren und sich so selbst helfen können. Das ist mir unter die Haut gegangen. Er sagte: „Wir führen zur Zeit auch Verhandlungen, auf privatwirtschaftlicher Ebene mit Gewächshäusern in Gaza zusammenzuarbeiten.“ Davon berichtet keine Zeitung. Es ist überwältigend, wenn man das hört. Es ist ein richtiger Jude, der das macht. Wozu diese jüdischen Menschen fähig sind! Trotz aller Ablegung, trotz allen Drucks. Und das ist ein Mann, der nicht an Jesus glaubt. Ich fand das überwältigend.

 

Ich schließe mit zwei kurzen Gedanken. Gemeinden wachsen. Menschen kommen zum Glauben. Die Decke wird von den Augen gerissen, und es gibt eine Erweckung, die durch Israel geht und die begeistern kann. Die Erweckten sind Begeisterte für den Messias, und sie gehen los und wollen diese Botschaft in die Welt hinaustragen. Zuallererst ihren eigenen Landsleuten sagen. Zuallererst den Juden. Ich kenne die erste Bewegung, auch die Gründung eines jüdischen Missionswerkes, die das sagt: Wir haben den Auftrag, die Botschaft in die Welt zu bringen. In Apostelgeschichte 1,8 heißt es: „Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist; und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und…“ Dann kommt etwas ganz wichtiges: „bis ans Ende der Erde“! „An wen ging dieser Aufruf?“ sagte der Leiter des Missionswerkes. „An Juden.“ Und er hat das wörtlich genommen: Juden müssen wieder rausgehen und müssen den Messias der Welt vertraut machen. Ich finde das begeisternd. Trotz riesiger Probleme, wie sie größer kaum sein können, ist der Gedanke immer: Wir wollen unserem Volk helfen. Und vielleicht der Gedanke: Ihr sollt uns als Juden akzeptieren und fangt uns doch an, ein bisschen zu lieben? Nein, nein! Wir gehen raus und bringen die beste Botschaft, die es in der Welt gibt, die Botschaft von der Rettung und der Gnade.

 

Druck von Orthodoxen Das ist echte Liebe, wie ich sie vom Messias erfahren habe. Das erleben wir in Gemeinden dort. Sie gehen raus und evangelisieren. Zum Beispiel eine Gemeinde in Jerusalem. Sie kleben Plakate, und dann kommen die orthodoxen Juden und reißen die Plakate runter. Sie kleben wieder neu, und wieder reißen die Orthodoxen sie ab. Teilweise wird es handgreiflich. Oft verlieren sogar die, die zum Glauben kommen, ihren Arbeitsplatz. Oder nehmen wir die Gemeindeversammlung von Menachim Kalischer. Sie musste aus Tantur an der Grenze zu Bethlehem raus, weil sie nach der Intifada ab 2000 dort beschossen wurde. Sie gingen in ein großes Jerusalemer Kibutz-Hotel. Dort versammelten sich 300 Menschen im Kongress-Saal, was pro Samstag 1000 Dollar Miete kostete. Dann kamen die orthodoxen Juden und sagten: „Wir wollen nicht, dass diese sich hier versammeln. Wenn ihr sie weiter aufnehmt, kommen wir nicht mehr in das Hotel.“ Dann hat der Manager gesagt: „Na gut, wenn ihr nicht mehr kommt, muss ich das akzeptieren. Ich habe einen Vertrag mit ihnen und breche keine Verträge.“ Darauf die Orthodoxen gesagt: „Dann sorgen wir dafür, dass du deine Registrierung als koscher verlierst.“ Jedes Hotel, jedes Lokal in Jerusalem braucht das Zertifikat, das es koscher ist in seiner Ausstattung, das es koscheres Essen bringt, das es koscher ist in seiner ganzen Situation. Und der Stempel „koscher“ wird von orthodoxen Juden verliehen. Der Hoteldirektor musste nachgeben. Er brachte die Gemeinde aber im Speisesaal des Kibutz unter. Sie sucht einen neuen Raum und hat schon eine große Summe gespart, aber bisher keine Chance, einen Raum zu bekommen. Denn der Bürgermeister von Jerusalem ist ein Ultra-Orthodoxer.

 

Die messianischen Juden können sich Gebäude kaufen, aber sie dürfen sich dort nicht versammeln. Das ist die Lebenssituation in Jerusalem und in Israel heute. Die Gläubigen leben unter Druck. Ich könnte eine Reihe weiterer solcher Beispiele bringen, aber nein! Sie kommen zum Glauben, sie missionieren, sie arbeiten im Versöhnungsdienst mit Arabern zusammen. Und das ist es, was mich begeistert, was mir zeigt, wie groß unser Herr ist. Vielleicht spornt es euch an zu ganz neuer Liebe für den Messias, zu ganz neuer Liebe für die Menschen, die euch begegnen. Vielleicht sind das nicht immer Juden, aber wenn euch Juden begegnen, denkt an ihre Geschichte und schenkt ihnen Liebe. Vielleicht könnt ihr sie auch suchen, um ihnen zu sagen, dass ihr sie liebt und ihr Gottes Erwählung akzeptiert und dazu steht. Aber geht auch auf Moslems zu, die bei euch leben. Auch sie brauchen diese Liebe, auch sie können nur über Jesus ewiges Leben erfahren. Da geht es um jeden Menschen. Gott hat alle Menschen geschaffen. Und für ihn ist jedes einzelne Geschöpf wertvoll. Sein Auftrag an jeden, der den Messias gefunden hat: Arbeite mit mir zusammen, dass diese Botschaft weiter geht und dass Menschen gerettet werden. Das möchte der Vater, und dazu will ich euch ermuntern.

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