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Die jüdische Taufe

Marcel Marhuenda

 Übersetzung aus dem Französischen: Reinhold Tenk

Wenn ein Jude sich in dem Namen von Jeschua taufen lässt, folgt er nur einer „rein jüdischen“ Wei­sung. Die Taufe kommt aus einem griechischen Wort, das völliges Eintauchen unter Wasser bedeutet. Auf Hebräisch heißt es die Tewilah (volle Eintauchung) in eine Mikwe (Wasserstelle, Becken).

 

Der Neue Bund wie auch die Taufe oder Tewilah wurden zuerst dem Volk Israel und dann den Nationen gege­ben.

So lesen wir in Jeremia 31,31: „Siehe, Tage kommen, ist der Spruch des Ewigen, da schließe ich mit dem Hause Jisrael und mit dem Hause Jehudah einen neuen Bund.“

In Matthäus 10,6 steht auch geschrieben: „Geht lieber zu den verlorenen Schafen des Hauses Jisrael.“

Dann sagt Jeschua in Matthäus 15,24: „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Jisrael geschickt.“

 

Kurze Zeit vor dem Kommen von Jeschua in Jisrael „geschah es, dass Jochanan (Johannes) in der Wüste auftrat und eine Taufe der Buße  zur Vergebung der Sünden verkündete“ (das ist die Tewilah für eine echte Teschuwah, d.h. eine tiefe Buße und eine Rückkehr zu den Schriften der Bibel und nicht zu den Überlieferun­gen der frommen Menschen).Markus 1,4

 

Nach seiner Auferstehung, gab Jeschua den Missionsbefehl, der ganzen Welt von ihm zu erzählen, und alle, die zu ihm kommen sollten, durch die Tewilah (Taufe) in seinem Namen gehen zu lassen.

Apostelgeschichte 1,8: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jeruschalajim wie in ganz Jehudas und Schomron, ja, bis an die Enden der Erde!“

Matthäus 28,19-20: „Deshalb geht und macht Menschen aus allen Völkern zu Talmidim, indem ihr sie ein­taucht in die Wirklichkeit des Vaters, des Sohnes und des Ruach Ha Kodesch und sie lehrt, allem zu gehor­chen, was ich euch befohlen habe. Und denkt daran! Ich werde immer bei euch sein, ja, sogar bis ans Ende der Zeit.“

 

In der Tat ist die Taufe (oder Tewilah) ein jüdischer Brauch, der seinen Ursprung weit vor der Ankunft von Je­schua oder gar von „Johannes dem Täufer“ (Jochanan HaMatbil) findet.

 

Auf Hebräisch bedeutet Tewilah „Eintauchung“, wie auch das griechische Wort baptizo „Taufe“ oder „Eintau­chung“ bedeutet. Das Wort Tewilah kommt von dem Verb tabal, das „nass machen, durchnässen, eintauchen“ bedeutet. Dies kommt in 2 Könige 5,14 klar zum Ausdruck, wo Elisa den Syrer Naaman auffordert, sieben Mal in dem Jordan einzutauchen, um von seiner Lepra-Krankheit befreit zu wer­den.

2 Könige 5,14: „Da stieg Naaman hinunter und tauchte im Jarden siebenmal, nach dem Worte des Mannes Gottes; da wurde sein Fleisch wieder wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wur­de rein.“

 

Die Reinigung im Wasser ist ein Symbol für die Reinigung (aber auch für den geistlichen Tod und für die Auferstehung in Gott als neues Leben). „Durch die Eintauchung in seinen Tod wurden wir mit ihm begraben; damit auch wir so, wie der Messias durch die Herrlichkeit des Vaters wieder von den To­ten auferweckt wurde, ein neues Leben haben mögen.“ (Römer 6,4)

„Darin ist vorweggenommen, was uns jetzt erlöst, das Wasser der Eintauchung, die nicht den Leib vom Schmutz reinigt, sondern ein Gelübde ist, sich ein gutes Gewissen vor Gott zu bewahren, durch die Auferstehung Jeschuas des Messias.“ (1 Petrus 3,21)

Schon im Alten Bund sagte Jesaja (1,16): „Wascht euch, reinigt euch ...“, und prophezeite Sacharja über die Zukunft Israels (13,1): „An jenem Tag wird eine Quelle dem Hause David und den Bewoh­nern Jerusalems gegen Versündung und Unreinheit geöffnet werden ...“. Auch Ezechiel, als er die zukünftigen Ereignisse im Zusammenhang mit Israel ankündigte, sagte von Gott her (36,25): „Und ich werde über euch reines Wasser sprengen, und ihr werdet von allen euren Unreinheiten rein sein...“. In Numeri 31,21 lesen wir: „Jedoch durch Reinigungswasser (in dem die Asche der roten Kuh gemischt wurde) muss es entsühnt werden; aber alles, was nicht ins Feuer kommt, sollt ihr durchs Wasser gehen lassen.“ Und in Levitikus 11,36: „Nur Quellen und Zisternen, also Wasseransammlun­gen (miqva'ot mayim), bleiben rein (werden nicht verunreinigt).“

 

Archäologische Ausgrabungen in Israel: eine alte jüdische Mikwe

Die „Mikwe“ (wörtl. „Wasseransammlung“) ist ein Weg, Personen und Gegenstände rein zu machen, denn es gibt viele (oft unvermeidliche) Ur­sachen für Verunreinigungen: Kontakt mit einer Leiche, Geburt, Menstrua­tion, verschiedene Krankheiten ... Durch die archäologischen Ausgrabungen wurden in Jerusalem viele rituelle Bäder für die Juden entdeckt, die vor 70 n.Chr. zum Tempel – vor seiner Zerstörung – ka­men. Manche wurden auch woanders gefunden, zum Beispiel in der Festung von Massada oder in den Anlagen der Gemeinschaft von Qum­ran.

Damals wie heute wird die Mikwe, die nach genauen Regeln gebaut wird, mit reinem Wasser aus absolut sauberen Leitung versorgt. Nach dem Krieg 70 n.Chr. und der Zerstörung des Tempels wurden viele Reinheitsgebote nicht mehr angewandt, aber die Mikwe behielt ihre große Bedeutung. Es ist eine wichtige Einrichtung in der jüdischen Lebensgemeinschaft.

 

In der Umgebung des Jerusalemer Tempels gab es vor 2000 Jahren mehrere kleine Wasserbecken – Mikwa'ot (Mehrzahl von Mikwe) – für die Priester und die Gläubigen, denn  sie mussten sich reinigen, bevor sie hin­eintraten. Es gab auch welche in der Nähe der Synagogen überall in Israel. In Massada, in Qumram, in dem alten jüdischen Stadtviertel von Jerusalem kann man die Reste dieser alten Mikwa'ot. Viele waren aus dem Fels ge­hauen und wurden durch Regen- oder Quellenwasser versorgt. Oft wurden sie im Leben der Männer und Frauen in Israel gebraucht, und dieser Brauch wurde jederzeit und an jedem Ort, wo Juden sich niederließen, fortgeführt.

 In  dem ers­ten Tempel, der von Salomo gebaut wurde, gab es 10 Becken zur Reinigung der Brandopfer und das Meer aus Bronze diente der rituellen Reinigungen.

2 Chronik 4,6: Und er (Salomo) machte zehn Be­cken und tat fünf zur Rechten und fünf zur Linken, darin man darin wusch; was zum Brandopfer ge­hört, spülte man darin ab. Und das „Meer“ (1 Köni­ge 7,23) war für die Priester, damit sie sich darin wuschen.

1 Könige 7,23: Und er (Schlo­mo) machte das „Meer“ (jam), gegos­sen, zehn El­len von Rand zu Rand kreis­rund, und fünf Ellen hoch, und eine Messschnur von dreißig Ellen umspannte es ringsherum.

25: Es stand auf zwölf Rindern: drei waren nach Norden gewandt, drei waren nach Westen ge­wandt, drei waren nach Süden gewandt, und drei waren nach Osten gewandt; und das „Meer“ stand oben auf ihnen, und ihre Hinterteile waren alle nach innen gekehrt.

38: Und er machte zehn Kessel aus Bronze. Vierzig Bat fasste der einzelne Kessel; vier Ellen war der einzelne Kessel weit; je ein Kessel kam auf je ein Gestell von den zehn Gestellen.

39: Und er stellte die Gestelle auf: fünf auf die rechte Seite des Hauses und fünf auf die linke Seite des Hauses. Und das „Meer“ stellte er an der rechten Seite des Hauses auf, ostwärts, in Richtung Süden.

In Micha 7,19 können wir lesen: Er wird sich wieder über uns erbarmen, wird unsere Schuld nieder­treten. Und du wirst alle ihre Schuld in die Tiefen des Meeres (jam) werfen. (Bezieht sich dieses Bild auf das wirkliche Meer oder auf das Becken im Tempel, das sogenannte „Meer“? Ich bin eher  für die zweite Möglichkeit.)

Levitikus 8,5: Und Mose sprach zu der Gemeinde: Dies ist es, was der HERR zu tun geboten hat.

6 Und Mose ließ Aaron und seine Söhne herantreten und wusch sie mit Wasser.

Hebräer 9,10: Es sind (im Alten Bund) ... verschiedene Waschungen ... (im Griechischen baptismos = Eintauchungen). Das Wort „Waschungen“ könnte meiner Meinung nach auf eine einfache Reinigung des Gesichtes, der Hände und der Füße hinweisen; aber das griechische Wort ist baptismo, Eintau­chung, und das hebräische für „Waschung“ bedeutet auswaschen, rein waschen. Es gab natürlich Hände- und Fußwaschungen, aber auch Reinigungsbäder.

Im XII. Jahrhundert schrieb Maimonides sogar: „Es ist klar, dass die Anweisungen im Bezug auf die Eintauchung zur Freimachung der Unreinheit Verordnungen aus den Heiligen Schriften sind... Die Unreinheit besteht nicht aus dem Dreck oder dem Schmutz, den das Wasser entfernen kann. Die Weisen haben gesagt: Wenn ein Mensch ohne lautere Absicht (in die Mikwe) eintaucht, ist es so, als wäre er nicht eingetaucht; wenn aber jemand sich in seinem Herzen vornimmt, von der Unreinheit, die die Seele der Menschen beschmutzt – wie die schlechten Gedanken zum Beispiel – zu befreien, dieser Mensch wird im Moment der Eintauchung rein, obwohl körperlich nichts passiert ist. Die Schrif­ten sagen uns (im Buch Hesekiel 36,25): 'Und ich werde reines Wasser auf euch sprengen, und ihr werdet rein sein; von all euren Unreinheiten und von all euren Götzen werde ich euch reinigen.'“ (De­Jad, Mikwa'ot 11:12)

 

 

Wenn ein Nicht-Jude zum Ju­dentum übertritt, muss er durch die Beschneidung, dann durch die Tewilah (Taufe) in der Mikwe, um als Nicht-Jude zu sterben, und als Jude neu­geboren zu werden. Erinnert uns dies nicht an die Neuge­burt in Jeschua?

Heute geschieht bei den gläubigen Juden der Eintauchungsdienst immer in einer Mikwe (es kann in einem Fluss, im Meer, aber vor allem in einem Be­cken mit ganz bestimmten Maßen sein). Die Eintauchung muss vollkommen sein – kein einziges Haar darf aus dem Wasser bleiben, damit die Reinigung vollzogen ist. Diese geistliche Reinigung durch Eintauchung ins Wasser ge­schieht übrigens vor dem Schabbat und dem Jom Kippur-Fest (dem Tag der großen Vergebung). Die jüdisch gläubigen Frauen müssen auch nach ihrer Menstruation in die Mikwe gehen, um gereinigt zu werden. Und wenn ein Nicht-Jude zum Judaismus übertritt, muss er durch die Beschneidung, dann durch die Tewilah (Taufe) in der Mikwe, um als Nicht-Jude zu sterben, und als Jude neugeboren zu werden. Erinnert uns dies nicht an die Neugeburt in Je­schua?

Unter: http://www.image-in.co.il/SHALOM/mikve.htm können wir lesen:

„Im Fall eines Übertritts sagt uns der Talmud: Sobald jemand zum Judaismus übertritt, wird er einem Neugeborenen gleich.“

Die Mikwe wird hier bildlich als eine Gebärende dargestellt, die einem Geburtsvorgang ermöglicht. So kommt derjenige, der in die Mikwe eintaucht, in den Bereich des Nicht-Lebens hinein, um dann bei seinem Austritt aus dem Wasser neugeboren zu werden.

Als Johannes der Eintaucher (Jochanan ha-Matbil) also die Umkehr und die Eintauchung in dem Wasser des Jordans zu predigen anfing, verkündete er den Juden keinen neuen Brauch. Er blieb nur im Rahmen eines der Juden bekannten Brauchs: der Tewilah oder Taufe. Seine Verkündigung war es, die die Mengen anzog, nicht die Taufe als neuer Brauch in Israel. Diese Taufe war für die jüdi­schen Schüler von Jeschua nur die Fortführung eines geläufigen Brauchs, der jetzt im Namen des Messias geschieht. So empfängt ein Jude, der zu Jeschua kommt, die Vergebung von Gott und findet seinen Platz in „seinem Baum“ wieder, dem von Gott gepflegten Ölbaum, d.h. dem Israel Gottes und dem Glauben Abrahams. Wenn dagegen ein Nicht-Jude zu Jeschua kommt, ist er wie ein Zweig aus einem wilden Ölbaum, der an dem gepflegten Ölbaum, Israel, eingepfropft wird. So konnte Paulus den Ephesern sagen: „Vergesst nicht, ihr Nicht-Juden, woher ihr kommt! Denkt daran, dass ihr keine gebürtigen Juden seid ... Vergesst nicht, dass ihr damals, als ihr ohne den Messias lebtet, ausge­schlossen vom Bürgerrecht Israels, des auserwählten Volks Gottes, wart; ihr wart Fremde hinsichtlich des Bundes, der auf den Verheißungen an Israel ruhte; ihr hattet von der Zukunft nichts zu erwarten, ihr wart ohne Zugang zu Gott. Ihr lebtet ohne Hoffnung und ohne Gott in dieser Welt. Aber jetzt, in Jeschua ha Maschia, seid ihr, die ihr früher ferne wart, durch das Blut des Messias nah geworden.“ (Epheser 2,11-13; erweitert)

So bilden die Juden und die Nicht-Juden, die in dem Messias Jeschua gläubig sind und in der Mikwe (deutsch: Taufe) eingetaucht wurden, ein einziges Volk, und sind alle gleich vor Gott. „Das heißt, dass es keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden gibt – der Herr ist der selbe für alle, reich für jeden, der ihn anruft.“ (Römer 10,12)

 

Ich schließe mit dieser kurzen Geschichte; sie ist zwar lustig, hat aber durch ihre Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte für viel Leid gesorgt.

Ich sprach mit einer Katholikin und sagte, dass Jesus ein Jude war; sie antwortete: „Ja, er war Jude, aber als er sich taufen ließ, wurde er katholisch...“ !!!

So eine Ignoranz kann einen zwar zum Lächeln bringen, aber leider haben viele Namenschristen wie auch Rabbiner Juden gesagt, dass sie nach ihrer Taufe in Jeschua keine Juden mehr waren.

 

Wie kann ein jüdischer Messias, der als Retter seines Volkes Israel kam, einen an Ihn gläubi­gen Juden in einen Nicht-Juden verwandeln? So ein Gedanke ist sinnlos. In der Tat geschieht eher das Gegenteil – für die Nicht-Juden ...

 

Von Zion aber wird gesagt: Mann für Mann ist darin geboren. Und der Höchste, er wird es befestigen. Der Ewige wird schreiben beim Verzeichnen der Völker: Dieser ist dort geboren. (Psalm 87,5-6)

 

Leider handelt die große Mehrheit der nicht-jüdischen Christenheit, als hätte sie Israel, ihren Geburts­ort, vergessen. Glücklicherweise aber sind immer mehr aufrichtige Christen Gott für Israel dankbar, denn Jesus selbst hat uns gesagt, dass das Heil von den Juden kam. So lasst uns mit unseren Ge­beten und Taten dieses Land Israel segnen, das Gott denen zurückgegeben hat, denen es zusteht, dem jüdischen Volk. Heute werden die Messianischen Juden, die an Jeschua glauben, in Israel und überall in der Welt immer mehr – bis zu dem Tag, an dem ganz Israel bei der Ankunft des Messias in Jerusalem errettet sein wird.

 

Aber über das Haus David und über die Einwohner Jerusalems gieße ich aus den Geist der Gnade und des Flehens, und sie schauen zu mir auf... (Sacharja 12,10)

 

Ehre sei Gott.

 

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