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Intrview mit Paul Liberman, Generalsekretär der Internationalen Jüdisch-Messianischen Allianz und Herausgeber der jüdisch-messianischen Zeitung „Messianic News“

Erzählen Sie doch bitte etwas über Ihr Leben und wie Sie zu Gott kamen.

Meine Eltern und Großeltern waren jüdisch, und ich bin in einem sehr jüdischen Haus erzogen worden.  Als ich acht Jahre alt war, ging ich zu einer Orthodoxen Synagoge. Wenn ich aber zum College ging, gab ich mich als ein Atheist. Ich heiratete, habe Kinder und imgrunde bin ich nirgendwo gelanded.  Aber ein paar Ereignisse haben stattgefunden, die sicher nicht per Glück passiert sind. Ich bin von Chicago nach Washington D.C. umgezogen, um dort zu arbeiten. Mit dem Bus, in dem ich jeden Tag zur Arbeit fuhr, fuhr auch ein Mann, der jeden Tag dort laut die Bibel las, während sich Leute über ihn lustig machten. Ich habe mich neben ihn gesetzt, und er hat mir ein paar Stellen in der Bibel gezeigt, die von aktuellen Prophetien über Israel handelten. Ich war sehr interessiert. Deshalb setzte ich mich am nächsten Tag wieder neben ihn. Dieses Mal erzählte er mir noch mehr über Messianische Prophezeiungen. Ich war sehr aufgebracht. Er hat mir dann ein Büchlein mit dreihundertundsechzig Prophezeiungen aus dem Alten Testament gegeben. Ich fing an, sie zu lesen und konnte keine Einwendungen gegen diese Prophezeiungen machen, also habe ich mich schließlich bekehrt.

 

Und dann?

Dann hatte ich ein Problem, denn meine Ehefrau war nicht gläubig. Sie war sehr

widerstandsfähig. Jeden Tag, wenn ich nach Hause kam, habe ich die Bibel mit meinen Kindern gelesen. Zuerst die Kinderbibel und dann die richtige, und sie haben sich dann auch bekehrt. Nun war meine Ehefrau zahlenmäßig unterlegen. Ich habe ihr gesagt, dass, wenn sie das Neue Testament lesen würde und sich nicht bekehrte, würde ich es akzeptieren. Sie hat es gelesen und betete, wie ich es ihr gesagt hatte, aber fühlte keine Änderung. Sie meinte, sie habe keine Visionen oder Ähnliches. Ich erklährte ihr, dass das in Ordnung sei. Ich hatte ein paar Messianische Freunde, und meine Frau meinte nach einem Besuch in der Messianischen Gemeinde, dass sie sich dort  wohlfühlen würde.  Das hat unser familiäres Problem gelöst, und ich blieb in den Messianischen Versammlungen.

 

Und nun zu ihrer Position: Sie sind der Präsident der Messianischen Allianz?

Nein. Ich war immer ein profaner Businessman, und das war nur ein Hobby. Erst seit zwei Jahren wurde das mein Job. Ich bin die Führungskraft der Internationalen Messianischen Allianz. Auch von der jüdisch-messianischen Zeitung „Messianic Times“ haben sie mich eingeladen, die Leitung zu übernehmen, und nun bin ich halb hier und halb dort.

 

Jetzt zu der Messianic Times. Was ist das größte Ziel dieser Zeitschrift?

Wir wollen nicht nur in den U.S.A. oder Kanada, sondern einen globalen Überblick über die Messianischen Bewegungen bekommen und über die weltweiten Messianischen Bewegungen berichten. Wir wollen jedoch nicht, dass die Gemeinden und die Messianischen Bewegungen  miteinander konkurrieren. Diese Zeitschrift soll ein Mittel sein, der Messianischen Bewegung zu dienen.

 

Sind die meisten Leser Ihrer Zeitung Juden oder Heiden?

Es sind meistens gläubige Heiden, die sich aber für Juden interessieren. Sogar in meiner Messianischen Gemeinde gibt es mehr gläubige Heiden als Juden. Das ist das Übliche. Ich sehe es als eine Partnerschaft zwischen gläubigen Juden und gläubigen Heiden, die sich langsam aber sicher aufbaut. Die Bibel sagt, dass Jesus erst wiederkommt, wenn die Juden zu ihm rufen werden. Deswegen arbeiten gläubige Heiden daran, die Juden zum Messias zu bringen.

 

Sehen Sie eine Veränderung in den Lesern Ihrer Zeitung in ihrer Haltung Israel gegenüber?

Meine Zeitung besteht aus achtundzwanzig Seiten. In der Mitte gibt es vier, nicht nummerierte Seiten, die ausschließlich über das Thema Evangelisation berichten. Wir bitten die Leser, diese speziellen Seiten herauszutrennen, und dann die Zeitung einer jüdischen, nicht gläubigen Person weiterzugeben.

 

Was erwarten Sie denn von ihrer Zeitung?

Erstens möchte ich mehr Informationen aus anderen Ländern haben, und zweitens möchte ich, dass die Zahl der Leser, vor allem der jüdischen, wächst.

 

Hatten Sie denn je Probleme mit Orthodoxen Juden, die vielleicht ihre Zeitung gelesen haben?

Natürlich. Ich war fünf Jahre lang in einer Orthodoxen Synagoge und kann sie nachvollziehen. Ich habe neun Jahre in Israel gelebt und beobachtet, wie die Orthodoxen Rabbiner versuchen, den Messianischen Juden die Staatsangehörigkeit zu entziehen. Ich hatte einmal im Jahr 2000 ein sehr ungewöhliches Erlebnis. Ich wurde zu dem “Chosen Project” eingeladen. Dies war ein Projekt, das an bedürftige Menschen verschiedene Dinge verteilte. Ich arbeitete in diesem Import business und  wusste, dass die Waren von einem Christlichen Wohlfahrtsverband kamen. Dieser Verband wollte diese Waren nach Israel importieren, aber Israel verweigerte die Einfuhr. Nur durch Kampf wurden wir zu einem der “genehmigten”, Christlichen Wohlfahrtsverbänden in Israel. Die Orthodoxen Juden leisteten dagegen starken Widerstand, aber schließlich konnte ich sie dazu bewegen, meine Akten durchzuschauen, und sie fanden darin nichts Ungewöhliches, an dem sie sich hätten festbeißen können. Am Ende fragten sie mich auf Englisch mit New Yorker Akzent, warum ich das alles täte, obwohl ich den ganzen Tag lang bereits vergeblich versucht hatte, ihnen alles auf  Hebräisch zu erklären. Ich las ihnen dann Isaia 43 vor, wo von der Zusammenkunft Israels und der Gläubigen die Rede ist,  und ich erzählte ihnen, dass ich an alles, was in der Schrift steht, glaube, genau wie sie. Danach erlaubten sie mir, die Waren zu importieren. Als ich ihnen dann erklärte, dass ich ein Messianischer Jude sei, gaben  sie mir zur Antwort, dass sie schon alles darüber wüssten. Natürlich sind die Orthodoxen Juden gegen uns, aber teilweise lässt der Widerstand auch nach.

 

Hervorragend. Was wollen Sie als der Herausgeber dieser Zeitung der Messianischen Bewegung wünschen? 

Wie viele Andere auch, wünsche ich mir, dass immer mehr Juden den Messias finden und in die Messianische Bewegung hineinkommen. Die Evangelisation geschieht überwiegend im persönlichen Kontakt, durch Beziehungen, und die meisten Juden kommen durch Christen zum Glauben. Immer mehr wird die jüdische Allgemeinheit gewahr, worum es in der Jüdisch-Messianischen Bewegung geht. Das wiederum hat eine Auswirkung auf Israel, wo es schon ungefähr fünfzehntausend gläubige Juden und etwa hundertzwanzig Messianische Gemeinden gibt. Und dies wiederum hat eine Auswirkung auf uns alle, denn wie gesagt: Jeschua kommt nicht, bevor die jüdische Gemeinschaft zu Ihm ruft; und das ist das Ziel, auf das wir alle warten.

 

Danke sehr!

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