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Claude Ezagouri: Gott ist Treu

Hier ist mein Zeugnis, das nicht als etwas Privates betrachtet werden sollte, sondern eher als eine Erfahrung, die uns in unserem geistlichen Leben bestimmte Leitlinien geben kann.

Ich bin in Oran, Algerien, geboren und die ganze Zeit in der jüdisch-sephardischen Tradition groß geworden. 1975 habe ich mit meiner Frau Alija nach Israel gemacht. Seitdem lebten wir in einem Kibbuz in Nordisrael. In mir waren Zionismus, israelischer Nationalismus und auch ein Zugehörigkeitsgefühl zum jüdischen Volk tief verankert. Jedoch habe ich immer nach einer geistlichen Tiefe gesucht, die ich einfach dadurch, dass ich meine Tefillin (Gebetsriemen) anlegte, oder ständig das selbe Gebet freitags abends in der Synagoge sagte, nicht fand.

1980, als ich als Reservist in der israelischen Armee diente, las ich ein Buch über Buddhismus. Es war ein sehr poetisches Buch, in welchem mich die geistliche Suche des Autors berührt hatte. Seitdem wuchs meine Suche nach dem Göttlichen. Ich suchte Gott in fast allen Religionen oder Kulten und wollte den gemeinsamen Nenner herausfinden. Vom Buddhismus wechselte ich zum Hinduismus, bis ich zu allerlei transzendentalen Meditationsformen kam. Mein Wissen blieb an Bücher gebunden und mein Hunger nach Büchern mit geistlichem Inhalt nahm nicht zu.

1982 fand ich auf einmal ein Buch über Meditation, und sehr schnell bemerkte ich, dass es um Meditation über Jeschua ging; ich blieb natürlich als Jude auf Abstand, aber ich konnte nicht anders, als eine gewisse Sympathie für die Botschaft der Liebe empfinden, die von der Person Jeschua ausging. Es blieb dabei.

Die ganze Zeit hing ich an der Bibel, die als Jude mein einziges Erbe geblieben war. Eines Tages, als ich Radio hörte, kam ich auf einen Sender aus dem Libanon (in englischer Sprache) – Die Stimme der Hoffnung –, mit einer Sendung zu dem Buch Jesaja. Ich schrieb an diesen Sender, und ziemlich schnell erhielt ich eine Serie von 18 Kassetten zu diesem Buch. Da ich in der Landwirtschaft arbeitete, war es für mich einfach, mit meinem Walkman alle Kassetten Tag für Tag zu hören – und da gingen mir die Augen auf.

Die Bibel, die ich doch vorher gelesen hatte, ohne sie wirklich zu verstehen und mich damit zu identifizieren, wurde mir sofort geistlich offenbar. Jeder Vers sprach mich an und zeigte mir die Göttlichkeit von Jeschua in der jüdischen Bibel, d.h. in dem Ersten Bund. Plötzlich öffneten sich meine Augen und die Wahrheit machte mich frei. Es fing eine Zeit des intensiveren Lesens in der Bibel an. Ich war von der Vorstellung erstaunt, dass ich der einzige Jude sei, der dies erkannt hatte.

Zwei Jahre lang ging ich allein auf meinem Weg zu Gott, wobei ich meine geistlichen Erkenntnisse vertiefte und meine Beziehung zum Schöpfer weiterentwickelte, die endlich durch Jeschua möglich gemacht wurde. Gleichzeitig aber konnte meine Frau nicht verstehen, dass ich, der ich immer überzeugt war in dem, was ich für Judaismus hielt, nun mit dem „echten Judaismus“ – wie ich es nannte – anfing.

Unsere Ehe war 1985 so weit, dass wir dabei waren, uns zu trennen. Zur selben Zeit erfuhr ich von einer messianischen Gemeinschaft, die ungefähr 15 km von uns existierte. Für mich war es die beste Nachricht nach zwei Jahren Einsamseins mit dem Herrn, da ich dachte, ich sei der einzige an Jeschua gläubige Jude auf der Welt. Nachdem ich ein- oder zweimal in dieser messianischen Gemeinschaft war, habe ich sehr schnell begriffen, dass es möglich war, für andere Personen oder andere Umstände zu beten, und nicht Gebete aus Büchern – wie im üblichen Judaismus – zu lesen. Ich habe diese neue Erkenntnis angewandt und fing an, für meine Frau und meine Familie zu beten. Das Ergebnis meiner Gebete ließ nicht auf sich warten.

Nach ca. einer oder zwei Wochen fing meine Frau an, die von meinem Glauben vorher nichts hören wollte, intensiv in der Bibel zu lesen, und nahm dann den Herrn Jeschua in ihrem Leben an. Von diesem Moment an wurde unsere Beziehung heil, unsere Ehe bekam im Glauben einen neuen Schwung: keine Trennung, keine Scheidung mehr! Ich begriff, dass Gott meine Gebete erhörte und fing an, für meine Kinder ganz naiv, wie ein Kind zu beten, dass sie auch gläubig würden.  Eines Tages kam meine Tochter zu uns und sagte, dass sie einen Traum gehabt hätte, in welchem Jeschua ihr mitten im Wohnzimmer in einem großen LICHT-Schein erschienen sei. Sie war 5. Seitdem, da sie genau weiß, wie der Herr ist, widerspricht sie den Vorstellungen, die die Christen manchmal von ihm haben. Dann habe ich mich entschlossen, jeden Tag für unseren Adoptivsohn zu beten. Die Direktorin der Schule im Kibbuz hatte uns angeboten, ein Kind aus Jerusalem, das von seinen Eltern abgelehnt war, zu übernehmen. Ich hatte Schwierigkeiten mit dieser Entscheidung, da wir ein paar Jahre vorher damit zweimal gescheitert waren.

Ich fragte Gott im Gebet nach seinem Willen. Sofort empfing ich sehr eindeutig die Stelle aus Jesaja 58:7: „Besteht es nicht darin, dein Brot dem Hungrigen zu brechen und dass du heimatlose Elende ins Haus führst?“ Nach dieser Ermunterung haben wir entschlossen, dieses 9-jährige Kind zu adoptieren. Ein Jahr lang blieb er unseren Bitten und Ermunterungen gegenüber zurückhaltend; er beobachtete uns misstrauisch aus der Ferne. Jeden Tag haben wir weiter für ihn gebetet, und nach einem Jahr bei uns nahm er den Herrn an. Seine enge Beziehung zu Jeschua und Gott offenbart ihm heute die Bibel, genau so wie es bei mir geschehen war. Dann habe ich mich entschlossen, für meine Mutter zu beten, die in einem ziemlich traditionellen, sogar religiösen Umfeld groß geworden war. Nach unseren Gesprächen mit ihr berührte der Herr sie in ihrem Herzen. Mit dem gleichen Eifer bat ich für eine meiner Schwestern, da ich spürte, dass sie nah an Gottes Reich stand. Später haben Nachrichten aus Frankreich bestätigt, dass sie dem Glauben gegenüber nicht mehr zurückhaltend war. Ich bete für meine anderen Schwestern weiter.

Ich weiß in meinem Geist, dass der Weg offen steht, und dass dieses Zeugnis in Bezug auf meine Familie nicht abgeschlossen ist. Ich habe den Glauben, dass meine ganze Familie ins Reich Gottes gelangen wird durch die allmächtige Treue und Liebe des Ewigen und durch das Opfer seines Sohnes Jeschua, der es uns möglich macht, im Gebet vor Gottes Thron zu kommen. Oft beten wir für entfernte oder sogar unbekannte Personen, und das ist gut so. Wir vergessen aber manchmal unsere eigene Familie, die uns näher steht. Gott ist treu; wenn wir Ihn um Brot bitten, wird Er uns Steine geben?

Ich ermutige Sie also, für Ihre Verwandtschaft zu beten. Trachten Sie zuerst nach Gottes Reich und Gott wird Sie erretten, Familie für Familie, denn Er liebt Sein Volk. Das, was Er für mich getan hat, wird Er auch für Sie tun.

Gott möge Sie segnen.

Claude Ezagouri

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