• Facebook

In die Hände habe ich dich gezeichnet

 

Julia Blum

Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet;

deine Mauern sind immerdar vor mir. (Jes. 49,16)

 

 

Mit diesen sonderbaren Worten, die der Herr durch seinen Propheten Jesaja zu seinem Volk gesprochen hat, möchten wir unser Thema über Israel starten, welches das Volk ist, das in die Hände des Herrn gezeichnet ist. Lasst uns diese Worte mit der Aufforderung vergleichen, die der Herr seinem Propheten Hesekiel gibt:

Hes. 4:1 – Und du, Menschenkind, nimm dir einen Ziegelstein; den lege vor dich hin und entwirf darauf die Stadt Jerusalem. In gewisser Hinsicht sind diese Worte sehr ähnlich.

 

Merkwürdigerweise wird sowohl in der deutschen Übersetzung als auch im hebräischen Original dasselbe Wort gebraucht: חקק – chakak, d.h. zeichnen, eingravieren, einprägen. In beiden Fällen haben wir die gezeichnete Stadt Jerusalem! Wie riesig ist doch der Unterschied zwischen der auf den Ziegelsteinen gezeichneten Stadt – in diesem Fall bezieht sich das auf den Plan bzw. auf die unweigerlich vereinfachte Darstellung eines Menschen – und der in den Händen Gottes flimmernden lebendigen Stadt: Zion, Jerusalem. Hesekiel war ein Mann Gottes und hat Gottes Auftrag erfüllt; nichtsdestotrotz braucht man wenige Worte, um den Unterschied zwischen der auf dem Ziegelstein und der in den Händen Gottes (d. h. immer vor Seinen Augen) gezeichneten Stadt festzustellen. Toter Stein vs. lebendige Hände Gottes: eine bessere Gegenüberstellung von Handgemachtem und Göttlichem, von menschlicher Sicht und göttlicher, wiederbelebender Liebe, von dem, wie Israel von anderen und von Gott selbst gesehen wird, ist schwer vorstellbar. Durch Seine Gnade und Seine Hilfe wollen wir versuchen, Israel so zu sehen, wie Er es sieht. Lasst uns mit den Augen Gottes das Volk Gottes sehen, das in Seinen Händen gezeichnet ist.

 

Wenn man nicht aufs Papier, sondern in die Hände zeichnet, gibt es weder Radiergummi, noch Skizzen, noch Entwürfe. Hier ist alles lebendig, im Ernst, für immer und ewig. Bevor Gott ein Volk auswählen konnte, musste der Herr zunächst ein Volk schaffen – ein Volk, das Er sich in die Hände zu zeichnen wünschte. Die Auserwählung Israels fängt nicht mit der Auswählung eines Volks aus vielen anderen Völkern an. Das wird oftmals missverstanden. Nein, die Auserwählung Israels war zuerst die Erschaffung dieses Volkes. Lasst uns in das Wort Gottes hineinschauen:

 

Jes. 44:2 – So höre nun, mein Knecht Jakob, und Israel, den ich erwählt habe! So spricht der HERR, der dich gemacht und bereitet hat und der dir beisteht von Mutterleibe an…

 

Der dich gemacht und bereitet hat… Lasst uns das gemeinsam begreifen: Das Volk, das in den Händen Gottes gezeichnet ist, wurde von Anfang an von Gott erschaffen, für Sich und Seinen Plan erschaffen. Wir sollten verstehen, dass das jüdische Volk für den Rest der Welt geschaffen wurde, damit es zum Repräsentanten Gottes und zum Segen für alle Völker wird (1. Mose 12:2, 18:18, 26:4, 28:14). Gott liebt die Welt und hat das Volk Israel für die ganze Menschheit geschaffen, damit durch Israel die restlichen Völker Sühnung finden können. Was bedeutet das? Nach dem Sündenfall von Adam und Eva in Eden wollte der Schöpfer-Gott einen Repräsentanten seiner Heiligkeit und Herrlichkeit haben in dieser gefallenen und pervertierten Welt. Der Herr fand einen Mann, der Wohlgefallen in den Augen Gottes fand – Abraham (so wie er damals den gerechten Noah fand). Seit der Berufung Abrahams beschäftigte sich Gott mit der Erschaffung des Volkes, durch welches alle Völker gesegnet werden. Seit diesem Zeitpunkt sind alle Pläne Gottes auf das jüdische Volk fixiert, das zum Zeichen für alle Heiden und zu einem zuverlässigen Indikator in den aktuellen Ereignissen da ist. Durch die übernatürliche Geburt von Isaak erschafft Gott ein Volk, das dazu berufen ist, Gottes Herrlichkeit und Heiligkeit zu verkünden. „Werdet heilig, denn ich bin heilig“. Wisst ihr, dass das Wort „heilig“ (Hebräisch „kadosch“) „abgesondert“ bedeutet? Israel wurde von Anfang an als von der Welt und Sünde abgesondertes Volk geplant, damit dadurch die Heiligkeit Gottes und Seine Herrlichkeit offenbar würden. Von Anfang an wurde der physische Same Abrahams, Isaaks und Jakobs dazu berufen, ein Königtum von Priestern, ein Heiliges Volk, Segen und Licht für die Völker zu werden.

 

Also noch einmal: Die Auserwählung Israels lag nicht darin, dass der Herr eins der vorhandenen Völker auserwählt hat und zu seinem Volk ernannt hat. Die Auserwählung Israels bestand in der Erschaffung eines Volkes, das von der Welt abgetrennt ist – für Gott, für Seine Herrlichkeit und für Seinen Plan. Ein Volk, das Er in seine Hände zeichnete, obwohl es sicherlich Zeitpunkte gab, zu denen Er gerne dieses Volk mit einem Radiergummi ausradiert hätte (einen von diesen Momenten finden wir in 2. Mose 32, als Gott in seinem Zorn zu Mose im Vers 10 sagte: „Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen“.) Gott hält trotzdem Sein Versprechen und lässt Israel sein Volk bleiben, weil Israel von Anfang an von Gott dazu berufen wurde, zum Segen für die ganze Welt zu werden. Das ist das Volk, das in die Hände Gottes gezeichnet ist. Sicherlich ist es klar, dass dies eine schwierige Berufung ist, dass die große Ehre oftmals schwer zu ertragen ist, dass diese besondere Auserwählung viel Kummer und Leid für unser Volk bedeutet:

Ps. 69:8,10 – „Denn um deinetwillen trage ich Schmach, mein Angesicht ist voller Schande… und die Schmähungen derer, die dich schmähen, sind auf mich gefallen.“

Mit dieser Beschwerde offenbart der Psalmist die ganz einfache Wahrheit: Die, die Gott hassen, haben es leicht, Ihn zu verleumden, indem sie Seinem Volk Leid zufügen. Wie kann es bloß anders sein? Israel ist in die Hände Gottes gezeichnet, das heißt, dass jeder Nagel, der in die Mauer Jerusalems geschlagen wird, auch in die Hände Gottes geschlagen wird.

 

Israels Leiden sind Gottes Leiden. Zweitausend Jahre lang, seit der Zerstörung des Tempels und des Niedergangs Jerusalems, seit den ersten antisemitischen Aufführungen im anfänglichen Christentum bis zu den Gaskammern in den KZs, als man davon überzeugt war, dass Gott sein Volk verlassen hatte: Gott war in der Tat seinem leidenden Volk ganz nah. Lasst uns immer daran denken: im Ghetto, bei der Zwangsarbeit, in den Gaskammern, mit denen, die zum Tode geführt wurden und mit denen, die gerettet waren. – immer und überall waren das Leid, der Schmerz und die Trauer Seines Volkes Sein Leid, Sein Schmerz und Seine Trauer. Die Tränen Israels sind Seine Tränen. Wenn wir weinen, weint Er mit uns mit.

 

Und genauso ist unsere Freude Seine Freude. Als das Wunder geschah und der Staat Israel gegründet wurde – so wie Er es auch versprochen hatte – da hat er mit uns frohlockt! Das, was am 14. Mai 1948 passiert ist, kann nicht genug gewürdigt werden: Ja, Israel war zwar schon immer vor den Augen Gottes, aber gerade die Mauer, der konkrete Ort und das konkrete Land waren in Seinen Händen eingraviert. Als die Verheißung (Jes. 66,8) erfüllt wurde, haben die Mauern, die Jahrtausende lang in den Händen Gottes (heute würden wir sagen „virtuell“) gezeichnet waren, einen Namen und einen Platz auf der Weltkarte gefunden. Das nächste Wunder und der nächste Schritt im Plan Gottes war die Wiedervereinigung Jerusalems nach dem 6-Tage-Krieg im Jahr 1967. Die jüdische Armee hat nicht nur die drei Armeen der Nachbarländer (Ägypten, Jordanien und Syrien) besiegt, sondern Jerusalem wurde zum ersten Mal seit 1900 Jahren zu einer jüdischen Stadt wiedervereint. Zum ersten Mal seit 1900 Jahren sind die Mauern in Seinen Händen tatsächlich zu den Mauern der Hauptstadt des Staates Israel geworden! In der heutigen Welt sieht man sehr klar, dass jeder sich entscheiden muss: für Israel oder gegen Israel; genauer gesagt, mit Gott oder ohne Ihn, denn er hat die Menschheit im Laufe von 6000 Jahren zu dem Scheideweg geführt, der die Welt in Bezug auf das Verhältnis zu Israel teilen wird (und jetzt schon teilt). Jeder, der die Entscheidung trifft, zusammen mit dem Volk zu gehen, das vor 4000 Jahren von Gott zum Vermittler der Sühnung auserwählt wurde, trifft die Entscheidung, in die Hände Gottes gezeichnet zu sein.

 

Wir müssen erkennen, dass die Entstehung des Staates Israels und die Wiedervereinigung Jerusalems unglaublich wichtig sind; sie sind aber längst nicht die letzten Meilensteine im Plan Gottes für Israel und die ganze Menschheit. Es sind eher Indikatoren, die - wie die Uhrzeiger - zuverlässig und authentisch auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes und Seiner Pläne hindeuten. Die Liebe Gottes zu Seinem Volk ist großartig: Das, was Er für Sein Volk vorbereitet hat, wird unvergleichlich das übertreffen, was wir uns vorstellen können. Ich habe keinen Zweifel, dass das Schönste in der Geschichte Israels noch kommen wird. Eines Tages wird sich die Prophetie von Sacharja erfüllen und eine Quelle wird sich dem Haus Davids (den Bewohnern Jerusalems) eröffnen. Eines Tages wird der Lebendige Stein, der Eckstein, der Leben spendend ist, der uns zu schwer war und einmal schon durch künstliche Steine ersetzt und von den Bauleuten verworfen wurde, zum Haupt des Hauses Israels werden. Der Herr hat einen wunderbaren Plan für Sein Volk, das in Seinen Händen gezeichnet ist, - und es hängt nur von euch ab, ob auch ihr ein Teil von diesem Plan werden möchtet. 

  • White Facebook Icon

© 2020 Jüdisch-messianische Zeitung Kol Hesed e.V.

+49 (0) 211 163 618 05 | +1 773 980 7163 

redaktion@kolhesed.de

Bröseweg 3, 41063 Mönchengladbach, BRD

P.O.Box 597769, Chicago, IL 60659, USA​