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Nikolay Krasnikov

Das Wort "Gott" wurde in der Familie, in der ich geboren worden bin, niemals erwähnt. Meine Eltern wie auch die Mehrheit der sowjetischen Bürger waren Atheisten. Der Glaube an Gott wurde als das Los der ungebildeten, unaufgeklärten Menschen angesehen. Wir glaubten an Lenin und den Kommunismus. Als ich zehn Jahre alt geworden war, hatte ich beim Durchblättern der alten Dokumente meiner Mutter mit Erstaunen von meiner jüdischen Herkunft erfahren. Es hat mich sehr betrübt – alle lachten über die Juden, man hielt sie für den Grund von Nöten und Unglücken auf der Welt. Von diesem Zeitpunkt an geriet ich auch unter diese „Verstoßenen“.

Mein Leben verlief ohne besondere Aufregungen und Kümmernisse, bis ich meinen Tod vor Augen sah. Als ich an der geologischen Fakultät der Leningrader Universität studierte, habe ich das vom Studienplan her vorgesehene Praktikum in Sibirien gemacht. In den Weiten der Taiga bin ich auf einem engen Pfad buchstäblich vor die Nase eines Bärens gestoßen. Im Zoo oder in der Arena eines Zirkus sieht so ein Tier vollkommen harmlos aus, aber in der Taiga, in diesem Wald ist er der Herrscher und benimmt sich äußerst aggressiv. Man konnte nicht weglaufen und es war zwecklos, auf die Hilfe von irgend jemandem zu hoffen. Ich bekam weiche Knie, meine Beine wurden wie Watte; vor lauter Angst klebte meine Zunge am Gaumen. Als der Bär mich, diesen ungebetenen Gast, in seinem Revier sah, ging er auf die Hinterpfoten und bewegte sich direkt auf mich zu. Mein Tod schien unvermeidlich, aber plötzlich scheuchte eine „unsichtbare Hand“ das klumpfüßige Untier von meinem Weg weg. Als ich wieder zu mir kam, dankte ich dem „Schicksal" für die unbegreifliche und wunderbare Rettung.

Ich habe als Geologe gearbeitet, viele wissenschaftliche Arbeiten und eine Dissertation geschrieben und promoviert. Aber je mehr ich die Tiefen der Erde untersuchte, desto mehr stellte sich mir die Frage: wie entstand das Leben? Keine Bücher konnten mir helfen. Ich fand eine Antwort in der Philosophie: alles, was uns umgibt, ist von der Höchsten Vernunft, das heißt vom Schöpfer, geschaffen. Es bedeutet, dass Gott, den ich so hartnäckig verneinte bzw. ablehnte, existiert! Meine Weltanschauung wurde eine andere. Ich heiratete und wir bekamen drei Söhne... Und, was sollte nun passieren? Worin bestand der wahrhafte Sinn meiner Existenz?

Einige Jahre später war ich in der Antarktis. In diesem riesigen Eisreich wird sich jeder Mensch seiner eigenen Ohnmacht bewusst. Bei den wissenschaftlichen Arbeiten in den Bergen, die wir durchquerten, benutzten wir Hubschrauber als Transportmittel. Während eines Fluges wurde plötzlich unsere „Flügelmaschine“ vom einem starken Seitenwind durchgeschüttelt und in die Richtung von scharfen Felsen getrieben. Ich war mir unserer vollen Hilflosigkeit bewusst, deswegen habe ich zu Gott gerufen. Es war das erstes Gebet in meinem Leben und ich konnte auf keinen Fall meinen, dass Er mich erhören würde. Aber der Große Gott hat mir geantwortet! Völlig unerwartet trieb eine von vorne auftretende Windböe unseren Mi-8 Hubschrauber von den Felsen zurück. Ich war wieder gerettet!

Als ich nach Leningrad heimkehrte, versuchte ich, mehr über Den zu erfahren, Der mich gerettet hatte. Die majestätischen, christlich-orthodoxen Kirchen hatten sich nur als schöne Gebäude erwiesen; die Krischnaiten und die Buddhisten hatten mir nicht geholfen, den lebendigen Gott zu finden. Ich schlenderte in den dunklen Seitengassen der Welt herum auf der Suche nach meinem Schöpfer, bis Er selbst mich fand.

„Du hast den wichtigsten Schritt in deinem Leben noch nicht gemacht!“, wurde mir mal gesagt. „Du hast Gott noch nicht um Vergebung gebeten, dafür dass du die ganze Zeit gegen Ihn warst. Er hat dich doch in der Taiga gerettet und so viele Jahre behütet. Du kannst nur durch Seinen Sohn, Jesus Christus, zu Ihm kommen.“  Ohne zu zögern habe ich mich zu dem allerhöchsten Gott bekehrt. Jesus Christus, der Sohn Gottes, der jüdische Messias, wurde mein Gott. In diesem Augenblick hat auch meine Frau Gott in ihrem Herzen angenommen. Die Frage über den Sinn des Lebens war für mich ein für alle Mal entschieden: Ich bin geboren, um Gott zu finden und mit Ihm ewig zu leben.

Anfang der neunziger Jahre (ab 1990) bemühten sich viele Bürger der zerfallenen Sowjetunion auszuwandern. Meine jüdische Herkunft hat es uns ermöglicht, in die Bundesrepublik Deutschland zu emigrieren, und Nürnberg  wurde zu unserem neuen Wohnort. Wir haben sofort gläubige Menschen gefunden und wurden Mitglieder einer deutschen christlichen Gemeinde. Gott hat mich in den Dienst gestellt und viele Jahre predigte ich Sein Wort. In unserer Kirche waren einheimische Deutsche und Emigranten aus verschiedenen Ländern. Nur die Juden, meine Stammesgenossen, für die aber in erster Linie der Messias Jeschua (Jesus Christus) gekommen ist, waren nicht dabei. Warum sind sie von den Christen getrennt? Ich habe mehrmals gehört, dass die christliche Kirche sich als geistliches Israel bezeichnet und alle Gottes Verheißungen, die einst den Juden gegeben wurden, nun der Kirche gehören sollen. Mehrfach wurde behauptet, dass die Juden, die Jesus Christus angenommen haben, sich irgendeiner Gemeinde von gläubigen Christen anschließen sollten. Aber welcher Gemeinde bzw. Kirche? Jede behauptet von sich, dass sie die richtige ist. Und doch waren ausschließlich jüdische Apostel die Quelle des Christentums … und sie dienten in Synagogen!

„Du sollst Mein Volk zu dem Messias Jeschua, zu dem wahrhaften jüdischen Maschiach (Messias) führen!“ sagte die Gottesstimme deutlich in mir. In Nürnberg, in der Stadt, wo 1935 die Nazigesetze zum Entzug der bürgerlichen Rechte der deutschen Juden veröffentlicht wurden (die Nürnberger Gesetze), hat der allerhöchste Gott  Sein Haus aufgebaut – eine messianische Synagoge. Er hat unseren neuen Dienst gesegnet und schenkte uns den festen Glauben an die Erfüllung Seines Planes. Wir haben begonnen, den messianischen Sabbat (Schabbat) in einer kleinen Gruppe zu feiern. Gott führte selbst die Menschen zu uns und nach ein paar Monaten haben wir einen Raum im Stadtzentrum gemietet. Ich wusste vorher nicht, dass es so viele Juden gab, die Jeschua als ihren persönlichen Erlöser angenommen hatten. Hier fanden wir unsere geistige Heimat.

Viele Jahrhunderte lebten die Christen und die Juden getrennt, haben einander nicht verstanden und nicht akzeptiert. Es schien unmöglich, sie zu vereinigen. Aber gibt es etwas Unmögliches für Gott? In unserer jüdisch-messianischen Gemeinde sind viele gläubige deutsche Christen. Ihr einstiger Traum, zusammen mit dem Gottesvolk zu sein und endlich die biblischen Feiertage im Namen von Jeschua zu feiern, hat sich verwirklicht. Dank Seiner großen Gnade hat Gott uns, die Juden und Nicht-Juden, im Leibe des jüdischen HaMaschiachs – in Jesus Christus – eins gemacht!

Solange die jüdische Nation mit der Annahme Jeschuas als Gott zögert, ist die Tür zum Schöpfer für andere Völker noch geöffnet. Die genaue Zahl der geretteten "Heiden" ist nur dem allerhöchsten Gott bekannt. Wenn die Zahl der Erretteten aus den Nationen erreicht ist, wird ganz Israel seinen wahrhaften Messias Jeschua annehmen. Dadurch wird sich erfüllen, was dem Gottesvolk prophezeit wurde: „... von Zion wird der Erlöser kommen“. Die Zeit der Glückseligkeit wird damit für die ganze Welt beendet sein und die Tür zur Errettung durch Jeschua wird geschlossen sein. Alle Nationen und Völker sollten den Juden nicht nur dafür danken, dass durch sie Jeschua und die Bibel in die Welt gebracht wurden, sondern auch dafür, dass sie so lange brauchten, um den Messias anzunehmen, denn dank dieser langen Zeit können alle übrigen Menschen erretten werden.

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