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Oksana Elijachu

Oksana, erzähle uns bitte, wie es mit deinem kreativen Schaffen anfing!

Ich habe begonnen, in meiner Jugend – mit 15-16 Jahren – Gedichte zu schreiben. Da ich noch nicht gläubig war, schrieb ich Gedichte für mich selber, einfach zum Spaß und für ein humoristisches Studententheater. Die KVN („Klub der Lustigen/Humorvollen und Findigen“) TV-Sendung in Russland und in den GUS-Staaten ist sehr populär, eine Art Studenten- und Jugendsatire; überall, sogar in Deutschland, gibt es solchen Klubs. Ich schrieb lyrische Gedichte; als ich mich aber in Jeschua verliebte, gehörten meine Gedichte nur Ihm allein. Das Wunder besteht auch darin, dass ich begann, Musik zu schreiben. An Musik hatte ich niemals zuvor gedacht. Nachdem ich Ihm mein Leben und meinen Unglauben wirklich übergeben hatte, sprach Er zu mir und es blieb mir nichts anderes übrig, als nur das aufzuschreiben, was ich in meinem Herzen hörte.

 

Wie bist du zum Glauben an Gott gekommen?

Mein Weg zum Glauben dauerte 6 ½ Jahre und es ist unmöglich, ihn mit zwei Wörtern zu beschreiben. Wenn man sich ein Glas, das tropfenweise mit Wasser gefüllt wird, vorstellt, so könnte man meine Bekanntschaft mit Gott so beschreiben. Seit langem hatte Er schon zu mir gesprochen, sowohl durch Träume als auch durch bestimmte Menschen, kontinuierlich und mit großer Liebe. Ich war „eine harte Nuss“ und allem gegenüber sehr misstrauisch. Das erste Mal bin ich in Italien auf gläubige Menschen gestoßen. Es waren einfache Christen, durch welche Gott Samen des Glaubens in mein Herzen gesät hat. Dies alles verstehe ich jetzt erst, nachdem ich gläubig geworden bin. Damals verstand ich nichts und hielt Gläubige für primitive Menschen, die ein einziges Buch lesen und nichts von der Evolution wissen. Ich wollte aus Italien nach Amerika gehen und bin schließlich nach Kanada geraten, wo Gott mich wieder zu Gläubigen geführt hat. Gott hat mir einfach ein Zimmer als Quartier in ihrem Haus gegeben.

Nach kurzer Zeit bin ich nach Israel gegangen, um meine Verwandten zu besuchen. Ich hielt mich schon nicht mehr für eine Atheistin. Aber was Jesus betraf … ich bin doch eine Jüdin … Als ich nach Israel kam, ergriff mich ein bis jetzt unbekanntes Gefühl, als hätte ich meine Heimat, mein Elternhaus gefunden. Ich überlegte nicht lange, stellte die notwendigen Unterlagen zusammen und wurde Israeli. In Israel begann ich konsequent in der Hl. Schrift zu forschen, da ich mich tatsächlich in allen Fragen selbst zurechtfinden wollte und mir selbst endgültig beweisen wollte, dass Jeschua nicht der Messias ist; dies hätte bedeutet, dass er nichts für mich ist.

 

Was war der Wendepunkt, als du verstanden hast, dass Er der Messias ist?

Gerade das Studium der Bibel hat mich zu Jeschua geführt. Du kennst die Bibelstelle: „ ... Suchet, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch aufgetan“. So war es auch mit mir, als ob es ein Puzzle-Bild wäre. Hier ein Stück, da ein Stück, dann das letzte kleine Teilchen, das das ganze Bild ergänzt, und plötzlich steht alles am richtigen Platz. Ich habe begonnen, nach Menschen zu suchen, die sich mit dem Studium von Gottes Wort beschäftigten und habe eine kleine Gruppe in einer messianischen Gemeinde gefunden. Für mich war es sehr interessant, jedoch wollte ich mit Ihnen nicht beten. Jetzt verstehe ich, dass mich die Finsternis beeinflusste, in der ich mich zu jener Zeit immer noch befand; ich wollte kein Licht hereinlassen und widerstand mit allen Kräften.

Meine erste Bekanntschaft mit dem Wort Gottes hatte in Italien angefangen. Ich war ein absolut unwissender Mensch auf diesem Gebiet. Ich begeisterte mich für Literatur, besuchte regelmäßig Museen, Kunstausstellungen, ging zu Konzerten. Ich bin in eine Familie von jüdischen Atheisten hinein geboren. Manchmal gab es bei uns Matza (ungesäuertes Passah-Brot), und deswegen wusste ich, dass ich eine Jüdin bin. Aber ich wollte nicht Jüdin sein. Ich hasste meine jüdischen Wurzeln, es hinderte mich, gleichberechtigt zu leben, und wenn man damals das kleine Wort „jüdisch“ in meinem Pass hätte durchstreichen können, hätte ich es sofort gemacht, ohne groß darüber nachzudenken. Am liebsten wollte ich ein einfaches russisches Mädchen sein. Und dann lernte ich in Italien Christen kennen, die jüdischer als ich selbst waren. Sie waren von Israel „krankhaft“ begeistert: sie beteten für Israel, segneten das israelische Volk, hielten die jüdischen Feiertage. Ich denke, dass ich mich durch sie mit der Liebe zu Israel einfach angesteckt habe.

 

Kann man sagen, dass ihr Glaube dich zur Eifersucht gegenüber Gott gereizt hat?

Absolut! Dazu noch zeigte es mir, dass die Worte von Paulus über die Wechselbeziehungen zwischen gläubigen Nicht-Juden und an Jesus nicht-gläubigen Juden bestätigt wurden. Sie wussten von der Geschichte meines Volkes mehr als ich, waren mehr Juden als ich. Sie strahlten einfach vor Liebe und Freude.

 

Hast du die Auswirkungen von Antisemitismus auf dich selber gespürt?

Mich hat niemand wegen meiner jüdischer Herkunft geschlagen, aber wenn ich mich mit meinen Freundinnen zankte oder wir uns sogar ab und zu rauften, so sagten sie mir oft: „Gehe nach Israel!“. Ich konnte nicht verstehen, warum sie mich immer dorthin schicken wollten. Ich wollte nicht dorthin gehen, ich brauchte Israel nicht. Leider hatten diese negativen Gefühle gegen Israel Auswirkungen in meinem Herzen. In meinen Vorstellungen war Israel ein rückständiges Land, wo alle auf Kamelen reiten oder barfuß laufen.

 

Wurden deine Vorstellungen über Israel bestätigt, als du dort ankamst?

Ich kam nach Israel schon mit geändertem, aber noch nicht ganz erneuertem Herzen. Einerseits wollte ich mit Gott sein, aber andererseits war es für mich so schwer, sich von der Welt abzuwenden. Leider ist dies eine charakteristische Lage bei vielen Menschen. In Wirklichkeit ist es eine furchtbare Lage: Du glaubst, Gott nahe zu sein, aber in Wirklichkeit bist du von Ihm immer noch entfernt.Ich kam schon mit Liebe zu Ihm in Israel an. Mein erster Eindruck: viele israelische Fahnen, ein Volk, das mir ähnlich sieht, kleine Kinder mit Peissen (lange Seitenlocken der orthodoxen Juden).... Ich bin einfach in Tränen ausgebrochen, als ich verstand, dass ich zu Hause war,

und dass Gott mein Herz in Bezug auf Israel geändert hatte.

Ich war 2 oder 3 Monate zu Besuch in Israel, dann habe ich mich entschieden, dass ich nirgendwohin sonst fahren werde, hier ist mein Zuhause. Es war ein echtes Wunder! Aber vollständig "habe ich mich in die Gefangenschaft" noch nicht ergeben. Ich besuchte eine Gemeinde, lebte aber nicht das Leben eines gläubigen Menschen. Leider trifft man hin und wieder Menschen, die messianische Gemeinden oder christliche Kirchen/Gemeinden besuchen, aber nicht zu wahrhaften Kindern Gottes wurden. Es ist ein großes Problem!

Jetzt erlebt Israel schwere Zeiten. Wie verhalten sich die messianischen Juden? Wie erleben sie die aktuelle Situation?

In Israel haben wir eine schwere Situation, eine konstant negative Wahrnehmung in allen Lebensbereichen, obwohl angenommen wird, dass die Wirtschaft im Land wächst und es genügend Arbeit gibt. Bezüglich der messianischen Gläubigen, erlebt man auch hier positive Sachen: in der Presse erscheinen immer mehr Reportagen über das Leben messianischer Juden, und sie werden aus einer positiven Sicht kommentiert. Es freut mich, dass viele Menschen einen positiven Eindruck von uns durch die Medien bekommen.

Aber es gibt natürlich auch Menschen, die uns mit Schmutz  bewerfen: die bekannte antimessianische Organisation „Jad Le-Achim“ (Die Hand der Brüder). Einmal besuchte mich einer ihrer Aktivisten und versuchte, meinen Glauben zu widerlegen und zu beweisen, dass Jeschua kein Messias sein kann. Für diejenigen, die nicht fest glauben, können ihre Argumente überzeugend erscheinen, aber ich habe mich entschieden, seine Argumente zu prüfen, die Schriften noch öfter und sorgfältiger zu studieren. Jeschua war für mich schon eine Realität, und seine Argumente konnten meinen Glauben nicht brechen, obwohl sie zunächst überzeugend klangen. Ich betone das besonders für diejenigen, die die Bibel nur oberflächlich kennen.

Bei der Überwindung von Versuchungen haben mir die Gemeinde, der Leiter der Gemeinde und mein guter Freund geholfen, der mir später mit der Aufnahme meines ersten Albums geholfen hat – Jakob Damkani. Ich wollte diesem Menschen, der gegen messianische Juden Propaganda macht, die Glaubwürdigkeit der Prophezeiungen und ihre Erfüllung in Jeschua beweisen, aber Jakob hat mir davon abgeraten, an solchen Diskussionen teilzunehmen, denn diese Menschen wollen nicht die Wahrheit wissen,  sondern nur ihre Informationen in die Massen bringen. Später trafen wir sie auch oft während Straßenevangelisationen, sie beschimpften und verfluchten uns.

Aber, weißt du, sie erinnerten mich an Schaul (Saulus, der zu Paulus wurde). Irgendwo weiß ich in meinem Herzen, dass sie es aus Überzeugung tun. Ich empfand keinen Hass oder Kränkung ihnen gegenüber. Sie sind in Bezug auf Jeschua einfach blind, und ihr Wunsch ist nur, dass die Juden als Volk nicht verloren gehen. Sie verhalten sich zu Christen sehr gut aber meinen, dass die Juden, die an Jeschua glauben, Verräter des jüdischen Volkes sind. Sie störten eine unserer Schwestern aus einer Gemeinde, die ein kleines Geschäft führt, klebten warnende Plakate usw. In  der Stadt Arad veranstalteten sie direkt vor der messianischen Gemeinde Demonstrationen, schimpften und schüchterten die Menschen ein. Sie sind bereit, uns zu töten. Verstehst du, sie glauben, dass sie die Menschen vor dem Verderben retten, und nur Gott kann sie ändern.

 

Pflegen die messianischen Gläubigen Kontakt mit den arabischen Christen?

Seit einer bestimmten Zeit sind wir mit einer christlichen Gemeinde im Libanon befreundet. Wenn Araber und Juden zusammenkommen und gemeinsam Jesus anbeten, kommen mir die Tränen. So sollte es sein. Wahrhafter Friede ist nur in Jeschua möglich! Wir singen und tanzen zusammen. In meinem Album gibt es ein Lied, wo ich zum Teil auf Arabisch singe. Juden und Araber, die politisch gesehen Feinde sind, sind in Bezug auf Glauben an Jesus Freunde und Brüder. Jetzt werden Konferenzen und Camps durchgeführt, wo eine neue Generation von jungen Gläubigen, Arabern und Juden, gemeinsam zu Gott beten. Der Glaube an Jeschua ist das einzige, das diese Feindschaft besiegen kann.

 

Erzähle uns von deiner Gemeinde in Israel.

Anfangs besuchte ich eine Gemeinde in der Stadt Bad Jam, und dann seit 2001 "Tiferet Jeschua" in Tel-Aviv; sie unterscheidet sich dadurch, dass dort die Gottesdienste ausschließlich auf Hebräisch gehalten werden. In fast allen Gemeinden gibt es eine Übersetzung in andere Sprachen, aber bei uns ist der Gottesdienst und Lobpreis auf Hebräisch ohne Übersetzung. Es war mir zuerst unverständlich, es leben in Israel doch so viele Menschen aus verschiedenen Ländern, und wenn du willst, dass noch mehr Menschen Jeschua erfahren, so ist doch Übersetzung sinnvoll. Aber letzten Endes habe ich verstanden: Israel ist unsere gemeinsame Heimat und darum soll man unbedingt dafür sorgen, dass auch das einheimische Volk das Evangelium in seiner Muttersprache – der Sprache des Alten Testaments und Jeschuas – hören kann.Wenn die Sabras (in Israel geborene Juden) in messianische Gemeinden kommen und dort Menschen aus verschiedenen Ländern begegnen, dann sagen sie: „Prima, es hat uns gefallen … aber es ist was für euch, mit Juden hat es nichts zu tun“. Meine Gemeinde will den Israelis zu zeigen, dass der Glaube an Jeschua eine sehr jüdische Sache ist, und wir nicht an irgendeinen heidnischen Gott, sondern an den Schöpfer des Universums glauben, an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Seinen einzigen Sohn auf die Erde gesandt hat und ihn (Jesus) für die Sünden jedes einzelnen von uns in den Tod hingegeben hat. Wir wollen ihn auf Hebräisch verherrlichen, die Schriften auf Hebräisch lesen, über Ihn auf Hebräisch reden … Das ist die Besonderheit unserer Gemeinde, und deshalb kommen zu uns viele Israelis. Sie kommen, hören alles auf Hebräisch und 

sagen: „Das ist interessant, das gefällt uns!“

Nach einer Weile fing ich auch an,

Lieder auf Hebräisch zu schreiben. Man muss sagen, dass ich die Sprache ziemlich schnell gelernt habe, da hat mir mein musikalisches Gehör möglicherweise geholfen. In der Gemeinde führte ich die Lobpreis-Gruppe, und nahm an verschiedenen Evangelisationseinsätzen teil.

Zurzeit komme ich zu Besuch nach Israel, da ich einen Amerikaner geheiratet habe. Meine Heirat ist auch ein Gotteswunder! Ich wollte nirgendwo anders sein; sogar, wenn ein Mensch mir angeboten hätte, mein Musikproduzent in den USA zu werden, falls ich meine Lieder ins Englische übersetze, da hätte ich sofort abgelehnt. Wie? Warum? Ich bin doch hier zu Hause! Wofür brauche ich das alles? Als ich geheiratet habe und zu meinem Mann in die USA gezogen bin, fingen wir an, verschiedene Gemeinden, auch messianische Gemeinden zu besuchen; so habe ich eingesehen, dass es Sinn macht, die Lieder (auf englisch) zu übersetzen!

 

Welchen Dienst hast du jetzt in Amerika?

Als ich die Gemeinde meines Mannes kennen gelernt habe, wurde ich gebeten, von mir, über Israel zu erzählen und ein Paar Lieder zu singen. Meine Lebensgeschichte und mein Glaubensweg zu Jeschua hat sie sehr berührt. Sie wussten merkwürdigerweise wenig von messianischen Gläubigen. So fing man an, mich in verschiedenen Kirchen/Gemeinden einzuladen, damit ich mein Zeugnis erzählen und singen kann.

Du kennst die Bibelstelle: „Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Macht die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch!“ (Math. 10:7-8) Ich fühlte, dass Gott das gerade in diesen Moment von mir erwartet. Es ist schwer, über sich selbst zu erzählen. Manchmal sind alle Türen zu, und uns bleibt nur übrig zu warten. Manchmal „öffnen sich die Türen“ und wir besuchen Gemeinden und Kirchen; ich erzähle mein Zeugnis und singe.

Wie auch diesmal: Plötzlich schrieb mich die Leiterin einer Lobpreis-Gruppe an; so fing ein Briefaustausch zwischen uns an, und nach kurzer Zeit waren wir schon in der Gemeinde. Die Zeit läuft sehr schnell vorbei und ich will noch vieles für unseren Gott tun.

Jetzt sehe ich, wie zwei Welten – die christliche und die messianische – sich näherkommen. Die Menschen lernen einander kennen, beginnen, Kontakte aufzubauen, fangen an, für einander zu beten. Viele wissen nicht, wer die messianischen Juden sind, und ich will ihnen zeigen, wer wir sind, wie wir glauben, wie wir unseren Gott loben und verherrlichen. Mein Ziel ist es nicht, sie zu belehren, sondern einfach mein Zeugnis zu erzählen, und nach vielen Feedbacks weiß ich, dass ich jemanden aufgemuntert habe, jemanden getröstet habe; ich habe etwas erzählt, was neu für ihn war, und natürlich meine Lieder gesungen.

Und dabei bin ich nur ein Werkzeug – mein Zeugnis und die Musik: alles kommt von Gott. Manchmal sagen sie mir: „Oh, deine Lieder!“ Aber wer bin ich? Ich bin eine kleine, gewöhnliche Frau, die Gott gefunden hat, und alles in meinem Leben gehört Ihm. Manchmal, wenn ich auf der Bühne stehe, kommen in mir Gedanken auf: „Was werde ich bloß sagen? Wer bin ich?“, oder ich fühle mich ganz schwach und mir scheint, als würde ich jetzt sterben.

Aber, wenn wir schwach sind, dann ist Gott stark. Manchmal kommen nach dem Gottesdienst Menschen zu mir und sagen, dass sie auch solch eine Beziehung zu Gott haben wollen, und als Antwort schlage ich ihnen vor, gemeinsam zu beten. Ich denke dabei, dass ich jetzt vielleicht für diese Menschen dieser besondere "Tropfen" bin, den sie gerade brauchen, um zu Gott zu kommen. Ich erinnere mich dann, dass ich auch 6 ½ Jahre gebraucht habe, um mein Leben Gott endgültig zu übergeben.

 

Wurdest du auch mit kirchlichem Antisemitismus konfrontiert?

Der kirchliche Antisemitismus existiert leider. Es hängt sehr viel von den geistlichen Leitern ab, denn sind sie für die Reinheit des Wortes Gottes und die richtige Bibelauslegung zuständig und müssen sich dafür verantworten. Der Antisemitismus zeigt sich nicht nur in seiner aggressiven Form, sondern auch in der Form einer einfachen Gleichgültigkeit dem jüdischen Volk gegenüber.

Eines Tages haben wir eine Kirchengemeinde angerufen, in deren Name das Wort „Israel“ stand, und waren sehr betroffen, als uns geantwortet wurde: „Nicht ihr, die Juden, sondern wir, die Christen, sind jetzt das neue Israel!“ Ich meine, dass die Frage über die Auserwählung Israels eine Offenbarung Gottes ist, diese Erkenntnis kommt von Gott. Ich denke, dass für viele gläubige Menschen darin kein Problem besteht, denn wenn sie an den jüdischen Messias glauben, so wurden sie an Israel „aufgepfropft“ und sind mit Israel eins geworden. Solche Gläubigen sind gegenüber Israel nicht gleichgültig und wissen genau, dass sie nicht anstelle Israel, sondern zusammen mit Israel bestehen.

 

Oksana, was wünschst du der messianischen Bewegung und der christlichen Welt?

Ich wünsche, dass wir uns nah stehen, dass wir eine Familie sind. Wenn die Christen nicht Jesus, sondern Jeschua kennen lernen würden; wenn sie studieren würden, was Jesus getan hat; wenn sie Pessah feiern würden und nicht Ostern – dann sie würden verstehen, dass Jeschua nicht nach Amerika, nach Deutschland oder nach Russland kommen wird, sondern nach Israel, wo Er Tausend Jahre herrschen wird. So wäre es auch für Juden einfacher zu verstehen, dass Jeschua der jüdische Messias ist. Mir scheint es, dass sich schon etwas in dieser Richtung tut. Wenn zwei Menschen langsam, aber zielstrebig aufeinander zugehen, so werden sie sich früher oder später treffen.

In Israel sollte es mehr Freiheit für die messianischen Gläubigen geben, denn es ist bis heute verboten, in Israel zu evangelisieren. Es wäre wünschenswert, dass noch mehr Menschen, Juden und Nicht-Juden, zur Erkenntnis Gottes gelangen. Ich weiß, dass es auch orthodoxe Juden gibt, die an Jeschua glauben, weiter unter orthodoxen Juden leben, und ihren Glauben heimlich halten. Ich würde mir wünschen, dass sie laut über Jeschua reden würden!

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